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Press Archive 2005
So knüpft sich Basel ins Netz der Systembiologie

Zum neuen ETH-Zentrum werden drei weitere Zentren gebildet

Die Erwartungen sind gross, die Nachfrage steigt -von der Systembiologie wird eine Revolution des biologischen Wissens erwartet. Im Schweizer Netzwerk SystemsX schürzt Basel weitere Knoten.

Diese Revolution will die Schweiz nicht verpassen. Der nächste grosse Schritt in der biologischen Forschung soll völlig neue Erkenntnisse bringen. Systembiologie heisst das Zauberwort. Es hat in Basel einen besonderen Klang, Denn das derzeit inGründung befindliche Center for Biosystems Science & Engeneering, kurz C-BSSE, soll ein wichtiger Knoten im Netzwerk werden, das unter der Bezeichnung SystemsX derzeit in der Schweiz geknüpft wird. Die Basler Universität und die Zürcher Universität spannen dabei mit der ETHZürich zusammen.

Neue Einsichten
Die Systembiologie verspricht völlig neue Einsichten in das molekulare Zusammenspiel des Lebens - mit grossem Nutzen für die Anwendung. Berge von Daten haben sich angehäuft, sie wachsen schneller denn je. Sie sollen befragt werden, um herauszufinden, wie denn die vielen einzelnen Partner in einer Zelle zusammenspielen. Es sind nicht nur einzelne Gene, sondern ganze Netzwerke, Signalketten, Rückkopplungsschleifen, die zusammen ausmachen, was die Prozesse des Lebens sind - und wie sie entgleisen. Das bringt Rückschlüsse darauf, wie man diese Prozesse beeinflussen kann. Etwa mit Medikamenten. Wen wunderts, dass die Industrie brennend interessiert ist

34 Millionen bis 2007
Am Basler Institut hat die ETH das Sagen. 34 Millionen stehen bis 2007 bereit. Je zehn Millionen von den beiden Parlamenten der Basler Kantone, fünf Millionen von der Hochschulkonferenz, acht Millionen von der ETH selbst und eine Million von Novartis. Der Zeitplan ist ehrgeizig, die Ziele nah gesteckt. Derzeit läuft die Suche nach Kandidaten für die vier Gründungsprofessuren. 2006 sollen bereits 3450 Quadratmeter Arbeitsfläche von insgesamt 8664 im Biopark Rosental bereit stehen. In unmittelbarer Nachbarschaft des von der Novartis Foundation getragenen Friedrich-Miescher-Instituts und den nebenan in eigenem Gebäude arbeitenden Departement für Klinisch-Biologische Wissenschaften (DKBW) der Universität Basel.

Optimistisch
Am dritten, neu von Syngenta gemieteten achtstöckigen Gebäude WRO-1058 soll bald das Emblem von C-BSSE und SystemsX prangen. Vorausgesetzt, es gelingt, die Gründungscrew zu gewinnen. Obwohl die Konkurrenz um die Talente gross ist, gaben sich die Verantwortlichen diese Woche an der BioValley Life Sciences Week zuversichtlich (die baz berichtete). Weder der designierte ETH-Präsident Ernst Hafen noch Basels Uni-Forschungs-Vizerektor Peter Meier-Abt wollten Zweifel daran aufkommen lassen, dass der Start gelingt.

Basler Initiativen
Umso mehr zeigte man sich erfreut, wie initiativ die Forschenden an der Basler Partneruniversität gewesen sind. SystemsX hat an der Universität Basel einiges ausgelöst. Bereits stehen konkrete Vorstellungen, wie sich bestehende Kompetenzen bündeln lassen. Zwar sind Organigramme rasch gezeichnet und können projizierte Folien einfach nur Folien bleiben. Aber was Michael Hall vom Basler Biozentrum an der BioValley Life Sciences Week vorgestellt hat, sieht vielversprechend aus. Der Professor für Biochemie, selbst in der Erforschung wichtiger Signalwege engagiert, ist fest davon überzeugt, dass in Basel alle nötigen Kompetenzen vorhanden sind.

Sie sollen, in drei weiteren Zentren verbunden, ins Netz eingewoben werden. Zwei neue «Knoten» sollen mit dem C-BBSE drei von sechs geplanten stellen, ein weiteres sich als Technologieplattform und «Glue project» mit SystemsX verleimen.

Zellen im Fokus
Für ein Zentrum für Zellplastizität (C-CPHD) spannen DKBW, FMI und Biozentrum zusammen. Angeführt von Gerhard Christofori und Georges Holländer will man sich mit Gewebereparatur, Stammzellforschung, Entwicklungsdefekten, immunologischen Störungen und Nervenschäden befassen. Das FMI wird seine Kompetenz in der Erforschung von Signalwegen bei der Krebsentstehung einbringen. Vom Biozentrum sind Entwicklungsbiologen, Immunologen und Neurobiologen mit im Boot. Nancy Hines (FMI) und Silvia Arber (Biozentrum) sind dabei. Der Bioinformatiker Erik van Nimwegen forscht rechnerisch im Thema. Ehrgeiziges Ziel: Aus heute zwölf Forschungsgruppen sollen bis 2010 18 werden.

Infektionen verstehen
Die Kompetenz auf dem Gebiet der Infektionsbiologie wird in ein Zentrum der Systembiologie der Infektion (C-SBI) eingebracht. Angeführt von Guy Cornelis, der - wie hier berichtet - die phantastischen, von Bakterien benutzten «Injektionsspritzen» untersucht, werden Forschende von Biozentrum, DKBW, der ETH Zürich und des Schweizerischen Tropeninstituts sich damit befassen, wie hoch komplex Mikroben und Wirt wechselwirken. 70 Köpfe stecken da zusammen.

Blick ins Feinste
Schliesslich soll ein Center für Nanoanalytik (C-CNA) die Werkzeuge weiterentwickeln, die es braucht, um im Nanobereich die Vorgänge in der Zelle sicht- und messbar zu machen. Mit Andreas Engel vom Biozentrum am Steuer wird dieser Blick ins Feinste der Zellen geschärft. Die Techniken werden immer raffinierter. Das Feld ist in stürmischer Entwicklung. Basel macht da vorne mit. Mit am Tun die Nanospezialisten vom Institut für Physik und das Paul-Scherrer-Institut.

Eigentlich sieht das ganz gut aus. Basel ist daran, sich einige neue Steine in die Krone zu setzen. Hoffentlich halten sie auch. www.bsse.ethz.ch

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Basler Zeitung vom 21. Oktober 2005 von Martin Hicklin

 

 

 
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