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News Archiv 2019

16. Dezember 2019

«AntiResist»: Biozentrum leitet neuen Nationalen Forschungsschwerpunkt zu Antibiotika und Antibiotikaresistenzen

Die Universität Basel hat heute den Zuschlag für den Nationalen Forschungsschwerpunkt «AntiResist» unter der Leitung von Prof. Christoph Dehio vom Biozentrum erhalten. Forschende am Biozentrum, am Universitätsspital, am Departement Biomedizin und am D-BSSE werden ein einzigartiges interdisziplinäres Zentrum für die Entwicklung neuer Strategien im Kampf gegen Antibiotika-resistente Keime aufbauen. Der Bund fördert das Programm in der ersten Förderphase mit 17 Millionen Franken.

Von links nach rechts: Prof. Urs Jenal (Stellvertretender Direktor NFS), Prof. Christoph Dehio (Direktor NFS), Prof. Dirk Bumann (Stellvertretender Direktor NFS). (Foto: Universität Basel, Christian Flierl)

Die Ziele des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) «AntiResist» sind die Suche nach neuen Antibiotika und die Entwicklung alternativer Strategien zur Bekämpfung Antibiotika-resistenter Keime. «AntiResist» ist eines von insgesamt sechs neuen NFS, die der Bundesrat heute in Bern vorgestellt hat.

Geleitet wird «AntiResist» von Prof. Christoph Dehio unterstützt von den Vize-Direktoren Prof. Dirk Bumann und Prof. Urs Jenal. Alle drei sind als Infektionsbiologen am Biozentrum der Universität Basel tätig. Insgesamt werden 24 Forschungsgruppen an dem Forschungsprojekt mitwirken. Den Kern des NFS bilden dabei 14 Forschungsgruppen in Basel, die am Biozentrum, am Unispital/Department Biomedizin und am Department Biosystems Science and Engineering (D-BSSE) der ETH Zürich arbeiten.

Auf dem neuen Campus «Schallemätteli» werden diese Gruppen zukünftig in unmittelbarer Nachbarschaft forschen. Weitere Arbeitsgruppen sind in Zürich (ETH, Universität Zürich und Universitätsspital) und Lausanne (EPFL und Universität Lausanne) angesiedelt. Zum Netzwerk gehört auch eine internationale Arbeitsgruppe der Ben Gurion Universität in Beersheba, Israel. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) unterstützt den NFS in der ersten Förderphase 2020 bis 2023 mit 17 Millionen Franken. 

Bakterielle Krankheitserreger im Menschen liefern neue Hinweise
Antibiotika-resistente Keime werden ein immer grösseres Problem im klinischen Alltag. Insbesondere Infektionen mit multi-resistenten Keimen sind mit den verfügbaren Antibiotika nur unter grössten Anstrengungen oder gar nicht mehr behandelbar. Damit werden wichtige medizinische Routineeingriffe wie Operationen, Krebstherapien oder Organtransplantationen plötzlich wieder zu einem grossen Risiko. «Unser einst reich bestücktes Arsenal wirksamer Antibiotika dünnt sich zunehmend aus, da es die konventionelle Wirkstoffentwicklung nicht mehr schafft, die dringend benötigten neuen Medikamente zu entwickeln», sagt der designierte NFS-Direktor Christoph Dehio. «Die bisher erfolgreiche Strategie, Antibiotika unter künstlichen Laborbedingungen zu entwickeln, hat sich erschöpft – daher ist es Zeit für einen Paradigmenwechsel in der Wirkstoffentwicklung hin zu einem Patienten-orientierten Ansatz».

Bakterien im Gewebe infizierter Patienten sind einer Umgebung ausgesetzt, die sich grundlegend von den künstlichen Laborbedingungen unterscheidet. Da Bakterien flexibel auf die Umweltbedingungen reagieren, haben sie im Patienten vermutlich völlig andere Eigenschaften als im Labor. «Über die Physiologie der Keime im Patientengewebe ist aber nur wenig bekannt. Um dies zu ändern, bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschern und Klinikern», erklärt Christoph Dehio. «Unser Ziel ist zunächst, den Zustand der Bakterien in unserem Körper umfassender zu verstehen und so ihre Achillesferse zu finden. Dies eröffnet uns neue Mittel und Wege, wie man Krankheitserreger zukünftig bekämpfen kann», so Christoph Dehio.

Die drei Phasen von «AntiResist»
Die Förderung eines NFS erstreckt sich über insgesamt drei Förderungsphasen von jeweils vier Jahren. «AntiResist» legt folgende Forschungsschwerpunkte in diesen drei Abschnitten:

In Phase 1 «Vom Krankheitszustand zum Labormodell» liegt der Fokus auf vier bakteriellen Krankheitserregern, die für die Klinik besonders relevant sind. Dazu greifen die Wissenschaftler auf Patientenproben von klinischen Studien an den Unispitälern in Basel und Zürich zurück und untersuchen diese mit Hilfe modernster Analysemethoden.

In Phase 2 «Vom Labormodell zur Screening-Plattform» sollen Gewebekulturmodelle mit ähnlichen Bedingungen wie im Patienten entwickelt werden. Der Aufbau von Hochdurchsatz-Screening-Plattformen durch Engineering-Partner am D-BSSE dient der Suche nach neuen Wirkstoffen.

Ziel von Phase 3 «Implementierung in Medikamentenforschung, Entwicklungspipelines und Kliniken» ist es, die identifizierten Wirkstoffe für neuartige Therapien in enger Zusammenarbeit mit der Industrie und den Spitälern zu entwickeln.

Interdisziplinäres Netzwerk in Basel als Schlüssel zum Erfolg
Der NFS «AntiResist» verfolgt einen weltweit einzigartigen interdisziplinären Forschungsansatz unter Beteiligung von Klinikern, Biologen, Ingenieuren, Chemikern, Informatikern und Arzneimittelentwicklern. Damit kommen sich optimal ergänzende Expertisen aus völlig unterschiedlichen Forschungsdisziplinen zusammen, um eine der grossen Herausforderungen der modernen Medizin anzugehen. 

Torsten Schwede, Vizerektor Forschung der Universität Basel, freut sich sehr über den Entscheid aus Bern: «Die Stärke dieser beiden NFS liegt darin, dass sie koordiniert Spitzenforschung betreiben um hochrelevante Themen anzugehen, die unserer Gesellschaft einen Schritt in die Zukunft ermöglichen. Mit dem NFS «AntiResist» schaffen wir die wissenschaftlichen Voraussetzungen für die Entwicklung dringend benötigter Antibiotika, stärken den für unsere Region wichtigen Forschungsstandort in den Life Sciences und entwickeln innovative Technogien für die biomedizinische Forschung.»

Auch Prof. Alex Schier, Direktor des Biozentrums der Universität Basel, ist begeistert über den Entscheid des Bundesrates: «Seit unserer Gründung im Jahre 1971 sind die Mikrobiologie und später die Infektionsbiologie grosse Stärken des Biozentrums. «AntiResist» hilft uns jetzt, das nächste Kapitel in dieser Geschichte zu schreiben. Ich freue mich ganz besonders, dass wir das Problem der Antibiotikaresistenz gemeinsam mit unseren hervorragenden Partnern in Angriff nehmen.»

«Wir sind sehr glücklich, dass der Bund unsere beiden Anträge bewilligt hat», so Rektorin Prof. Dr. Andrea Schenker-Wicki. «Das ist nicht nur eine grosse Bestätigung unserer bisherigen wissenschaftlichen Leistungen, sondern auch ein Zeichen für die Zukunft. Die beiden Projekte folgen unserem Ansatz, Grundlagenforschung und Anwendung stärker zu verknüpfen und die Universität Basel regional wie auch international als Ort für Spitzenforschung und als attraktiven Partner für die Industrie zu positionieren.»

Nationaler Forschungsschwerpunkt
Nationale Forschungsschwerpunkte werden vom Bund gefördert und umfassen über mehrere Jahre angelegte Forschungsvorhaben zu Themen, die für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft von strategischer Bedeutung sind. Die neu bewilligten NFS sind das Ergebnis der fünften Ausschreibung.

2018 wurden insgesamt rund 54 Gesuche eingereicht. Nach der wissenschaftlichen Prüfung durch den SNF hat das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF die Lancierung von sechs neuen NFS beschlossen. «AntiResist» ist der erste schwerpunktmässig am Biozentrum der Universität Basel angesiedelte NFS. 

NCCR «AntiResist» Landing page, Universität Basel

NCCR «AntiResist» Webseite

Kontakt: Kommunikation, Heike Sacher