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15. Mai 2020

Virtuose am Elektronenmikroskop und Biozentrum Mitbegründer

Zum 100. Geburtstag des Physikers Prof. Eduard Kellenberger, Mitbegründer des Instituts für Molekularbiologie der Universität Genf, der Europäischen Organisation für Molekularbiologie EMBO und des Biozentrums der Universität Basel – ein Wissenschaftler, der das Elektronenmikroskop bis zur Perfektion beherrschte und Forscher weltweit inspirierte.

Prof. Eduard Kellenberger - Vorreiter der Elektronenmikroskopie und Mitbegründer des Biozentrums.

Am 15. Mai 2020 jährt sich der Geburtstag von Prof. Eduard Kellenberger zum 100. Mal. Der Physiker ist nicht nur als Pionier der Elektronenmikroskopie in die Geschichts- und Lehrbücher eingegangen, sondern auch als Mitbegründer und Verfechter einer neuen wissenschaftlichen Disziplin, der «Molekularbiologie». Auch in die Geschichte des Biozentrums hielt Kellenberger schon früh Einzug: Er war einer der fünf wichtigsten Promotoren aus Wissenschaft, der Universität Basel und der Privatindustrie, die die Errichtung eines interdisziplinären, molekularbiologischen Forschungsinstituts in Basel vorantrieben.

Das Biozentrum – ein interdisziplinäres Forschungsinstitut
1971 übernahm Eduard Kellenberger die Leitung des frisch gegründeten Biozentrums und brachte aus seinem Genfer Team herausragende Forscherpersönlichkeiten wie die beiden späteren Nobelpreisträger Prof. Werner Arber und Prof. Jacques Dubochet nach Basel mit. In den kommenden Jahren machte Kellenberger das Biozentrum zu einem Institut mit internationaler Strahlkraft und zu einem «place-to-be» für Studierende und Forschende aus aller Welt.

Kellenberger war es schon bei der Entwicklung der Idee für das Biozentrum ein wichtiges Anliegen, verschiedenste Disziplinen wie Genetik, Biochemie oder Biophysik unter einem Dach zu vereinen. In seiner wissenschaftlichen Laufbahn hatte er selbst erfahren, wie entscheidend fächerübergreifendes Denken für die Lösung von Fragestellungen und Problemen sind. Und das gilt heute mehr denn je. In Zeiten globaler Herausforderungen gibt es keine einfachen Rezepte einzelner Disziplinen, vielmehr ist das Zusammenspiel unterschiedlicher Expertisen unverzichtbar.

Goldener Standard der Elektronenmikroskopie
Eduard Kellenberger wurde am 15. Mai 1920 in Bern geboren und studierte an der ETH Zürich Physik bei Paul Scherrer, dem bekanntesten Atomphysiker der Schweiz. Im Jahr 1945 zog Kellenberger nach Genf, um im Labor des Physikprofessors Jean Weigle die Genetik von Bakterien befallende Viren, sogenannte Bakteriophagen, zu erforschen. Dabei arbeitete er an der Entwicklung des ersten in der Schweiz hergestellten Elektronenmikroskops mit. Um die Nützlichkeit des Gerätes zu zeigen, versuchte er Aufnahmen von biologischen Proben zu machen, scheiterte aber zunächst an den Präparationsmethoden, welche die Proben stark schädigten.

Im Jahr 1958, Kellenberger war bereits selbst Forschungsgruppenleiter, gelang es ihm gemeinsam mit der Chemikerin Antoinette Ryser ein Verfahren zu entwickeln, bei dem die mikroskopischen Strukturen erhalten bleiben. Mit dieser als «RK» bekannten Methode gelang es ihnen, präzise elektronenmikroskopische Aufnahmen zu machen, einige zeigen zum ersten Mal die Vermehrung von Bakteriophagen innerhalb eines Bakteriums. Die Technik wurde später zum goldenen Standard und die Veröffentlichung ein tausendfach zitierter Klassiker. «Kellenberger war ein echter Virtuose des Elektronenmikroskops», so formuliert es später Bruno Strasser, Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität Genf.

Nobelpreise für Medizin oder Physiologe sowie Chemie
Ende der 1950er Jahren war Kellenbergers Genfer Labor nicht nur für die bedeutenden wissenschaftlichen Arbeiten zu Bakteriophagen bekannt, auch sein «amerikanischer» Führungsstil, der seinen Mitarbeitern viel Freiraum liess und Kreativität und eigenständiges Denken förderte, macht von sich Reden. Für Werner Arber, der im Labor von Kellenberger doktorierte und dort später als Postdoc forschte, bedeutete diese Freiheit, dass er sich intensiv seinem Projekt widmen konnte, welches schliesslich zur Entdeckung von DNA-schneidenden Enzymen, den Restriktionsenzymen, führte. Dies war ein Meilenstein, der die Molekularbiologie und Genetik revolutionierte und wofür Werner Arber 1978 den Nobelpreis für Medizin oder Physiologie erhielt. Auch Jacques Dubochet, der Nobelpreisträger für Chemie 2017, promovierte bei Kellenberger und blieb ihm wissenschaftlich und auch persönlich ein Leben lang eng verbunden.

Molekularbiologie – eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin
Ein grosser Verdienst Kellenbergers war es, die Molekularbiologie als eigenständige wissenschaftliche Disziplin zu etablieren und zu verbreiten. 1963 gründete er an der Universität Genf das erste Institut für Molekularbiologie in der Schweiz und erweckte seine Vision des fächerübergreifenden Forschens zum Leben. Im selben Jahr war Kellenberger an der Gründung der heute renommierten Europäischen Organisation für Molekularbiologie EMBO beteiligt und wurde ihr erstes Ratsmitglied.

Eduard Kellenberger war bis 1990 Gruppenleiter am Biozentrum.Nach seiner Emeritierung forschte er an der Universität Lausanne weiter. Für seine wegweisende Forschung wurde er mit dem Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist und mehreren Ehrendoktortiteln ausgezeichnet. Seine letzte Veröffentlichung erscheint nach seinem Tod am 13. Dezember 2004. Wissen schaffen im Dienst des Gemeinwohls, das war zeitlebens sein dringlicher Wunsch und Antrieb.

Basierend auf einem Artikel im wissenschaftlichen Magazin der Universität Genf.

Kontakt: Kommunikation, Katrin Bühler