IT: Navigation mit Access Keys

Main Content

Main Content

Interview mit Arantxa Urchueguía

Sie wollte unbedingt in ein interdisziplinäres Umfeld. Und dann erfuhr sie vom «Biozentrum PhD Fellowships»-Programm und dessen einzigartigem Angebot, in verschiedene Forschungsgruppen reinzuschnuppern. Nach drei Rotationen entschied sich Arantxa Urchueguía aus Spanien in ein völlig neues Gebiet einzutauchen und ihren PhD im Bereich Computational & Systems Biology in der Gruppe von Prof. Erik van Nimwegen zu machen.

Wo hast du deinen Bachelor und Master gemacht?
Ich komme aus Valencia im Osten Spaniens und habe an der dortigen Universität fünf Jahre Biologie, mit Fokus auf die Molekularbiologie, studiert. Das war noch vor der Einführung des Bologna-Systems und der Aufspaltung in Bachelor und Master. Das letzte Jahr war ich als Erasmus Studentin an der Freien Universität in Berlin, wo ich den Master in Molekular und Zell Biologie machte.  

Dein Name klingt nicht Spanisch.
Stimmt, ist er auch nicht, sondern Baskisch, wo mein Grossvater herkommt. Ich habe auch Wurzeln in Deutschland und ging in Valencia auf die deutsche Schule. Leider brauche ich mein Deutsch am Biozentrum kaum, da wir eine ziemlich internationale Gruppe sind und Englisch sprechen. Trotzdem ist es ganz schön praktisch, wenn ich einkaufen gehe und mit den Leuten rede oder wenn ich einen Kurs ausserhalb der Universität besuchen möchte.

Was gab für dich den Ausschlag einen PhD zu machen?
Während meinem Universitätsabschluss half mir das spanische Ministerium  mit einem Stipendium dabei, einen Fuss in die Forschung zu setzen. Ich arbeitete ein Jahr lang in einer Forschungsgruppe über Epigenetik, also  in einem ganz anderen Bereich als heute,  aber es war eine tolle Erfahrung und ich erzielte gute Resultate. Die Forschung war von daher durchaus eine viel versprechende Option für mich, aber ich wollte auch die Industrie kennenlernen und so machte ich danach in der Nähe von London ein Praktikum in einem Agro-Unternehmen. Doch es zog mich zurück an die Universität und so begab ich mich auf die Suche nach einer Doktorandenstelle in Europa.

Warum hast du dich für das Biozentrum entschieden?
Ich wollte in einem interdisziplinären Umfeld arbeiten, weil ich überzeugt bin, dass die wichtigsten Fragen in der Biologie nur gemeinsam von Leuten mit unterschiedlichem Hintergrund beantwortet werden können. Im Internet bin ich dann auf das «Biozentrum PhD Fellowships» -Programm gestossen. Glücklicherweise wurde ich zur Interviewwoche eingeladen, wo ich wirklich die Chance hatte, das Biozentrum besser kennen zu lernen. Die Forschung am Biozentrum ist stark interdisziplinär, die Forschungsgruppen sind sehr gut und es gibt zahlreiche modernste Technologieplattformen.

Das Auswahlverfahren ist sehr kompetitive. Wie war die Interviewwoche?
Man weiss zwar, dass man im Wettbewerb mit den anderen steht, trotzdem habe ich das aber nicht so empfunden. Natürlich war ich nervös, als ich meinen Vortrag halten musste, doch es ging erstaunlich gut. Ich hatte mir das Ganze viel schwieriger vorgestellt, aber alle waren sehr freundlich, alles war super organisiert und sie haben alles getan, uns eine spannende Zeit zu bereiten. Jedem Kandidaten wurde zum Beispiel ein PhD-Student zur Seite gestellt, mit dem man reden und dem man alle möglichen Fragen stellen konnte. Das war extrem hilfreich. Kurz, es war wirklich eine besondere Woche.

Und wie war es, als du erfuhrst, dass du zu den ausgewählten Kandidaten gehörst?
Ich war super happy. Ich hatte es nicht erwartet (lacht) und habe das Angebot sofort angenommen. Besonders verlockend fand ich die Möglichkeit verschiedene Forschungsgruppen kennen lernen zu können, bevor ich entscheiden musste, wo ich meinen PhD machen will.

Du hast drei zweimonatige Rotationen gemacht. Hat dir das geholfen?
Und wie. Ich wusste, dass ich in einer interdisziplinären Gruppe arbeiten wollte, aber ich hatte nichts Konkretes im Sinn. Auch wusste ich zum Beispiel nicht, ob ich mich mit meinem Hintergrund in Biologie in einer «Computational Biology»-Gruppe wohl fühlen würde. Daher war es grossartig ausprobieren zu können, was am besten zum mir passt. Zuerst war ich in Erik van Nimwegen’s  Gruppe, welche Experimente im Labor mit Arbeiten am Rechner kombiniert. Dann ging ich in Torsten Schwede‘s Gruppe, die fast ausschliesslich computerbasierte Forschung betreibt, und schliesslich wollte ich noch etwas ganz anderes ausprobieren und verbrachte einige Zeit bei Marek Basler in der Infektionsbiologie. Die Entscheidung war dann trotzdem nicht ganz einfach, aber ich bin nur sehr glücklich in der Gruppe von Erik van Nimwegen.

Bietet das Fellowships-Programm weitere Vorteile?

Ja, zum Beispiel das persönliche Stipendium für den Besuch von Konferenzen, den Kauf von Büchern oder eines Computers, zum Beispiel. Zudem wird jedes Jahr eine Reise für alle Stipendiaten organisiert. Das ist sehr schön. Im vergangenen Jahr gingen wir nach China, das war echt spannend. 

Wie ist das Verhältnis zwischen praktischer Arbeit und theoretische Ausbildung?
Die meiste Zeit verbringe ich im Labor. Ich arbeite aber auch am Computer und analysiere meine Daten.  Natürlich besuche ich auch einige Kurse und Vorträge, aber die nehmen im Verhältnis wenig Zeit in Anspruch. Es gibt sowohl eintägige Kurse, wo man lernt Präsentationen oder Poster zu erstellen, als auch wiederkehrende Vorlesungen. Ich kann diese frei aus dem Graduate Teaching Programm auswählen und das ist wirklich cool, denn so kann man seinen Horizont erweitert. Dieses Jahr habe ich einen Kurs in molekularer Medizin belegt, was ziemlich weit von meinem Forschungsgebiet entfernt ist. 

An was forscht du denn?
Ich untersuche die Variabilität in der Genexpression. Der Forschungsschwerpunkt unseres Labors liegt in der Untersuchung der Genregulation in Bakterien auf dem Niveau einzelner Zellen. Mich persönlich interessiert dabei, welche Faktoren zu Fluktuationen in der Genexpression zwischen identischen Zellen führen.

Warst du schon einmal an einem PhD Retreat?
Ja, schon zweimal und es war eine echte Bereicherung. Zum einen trifft man dort auf die anderen Doktoranden des Biozentrums, die ich in meinem täglichen Leben kaum sehe. Zum anderen kann man dort sein Forschungsprojekt in entspannter Atmosphäre präsentieren. 

Und wie ist die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe?
Erik unterstützt mich sehr. Normalerweise treffen wir uns wöchentlich, um die Ergebnisse und nächsten Schritte zu besprechen. Meistens arbeite ich für mich, aber wir tauschen uns im Labor auch häufig aus. Wenn ich Hilfe brauche, kann ich immer jemanden fragen und die Atmosphäre ist sehr angenehm. Wir sind eine relative kleine Gruppe und da kennt man sich natürlich ziemlich gut. Manchmal treffen wir uns auch nach der Arbeit, um zu grillieren oder im Rhein zu schwimmen.

Wie gross ist die Arbeitsbelastung?
Es gibt up’s und down‘s. Manchmal kriegt man fast einen« 9-to-5job» hin, oft arbeite ich aber auch abends oder am Wochenende. Das gehört einfach dazu und das ist für mich absolut in Ordnung. Ich meine, ein PhD ist nun mal kein Zuckerschlecken und natürlich gibt es auch frustrierende Momente. Dann versuche ich einfach mich darauf zu besinnen, warum ich das machen wollte. Das gibt mir dann wieder die nötige Motivation. Auch ist es für mich wichtig, ein Leben ausserhalb des Labors zu haben und Leute zu treffen, die nichts mit Forschung zu tun habe. Auch betreibe ich verschiedene Sportarten und das hilft, wenn es mir mal nicht so gut geht.

Für deinen PhD bist du von Valencia nach Basel gezogen. Wie war der Start hier?
Es war eine ziemliche Umstellung. Da ich in einer deutschen Schule war, kannte ich Kultur und Sprache schon. Das hat es natürlich leichter gemacht. Auch die Tatsache, dass ich bereits im Ausland gewesen war. Aber die spanische Kultur ist so anders und ich vermisse sie manchmal sehr! Aber Basel ist eine tolle Stadt und was ich sehr mag, ist seine Internationalität ‒ hier gibt es Menschen aus der ganzen Welt ‒ und im Sommer im Rhein zu schwimmen.