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Interview mit Karolin Berneiser

Inspiriert von den Erfahrungen eines Bekannten, bewarb sich Karolin Berneiser für das «Biozentrum PhD Fellowships»-Programm. Begeistert ist sie nicht nur von den interdisziplinären und internationalen Forschungsgruppen, sondern vor allem von der Arbeit mit grossen molekularen Maschinen im Labor von Prof. Timm Maier, bei dem sie ihre Doktorarbeit schreibt. 

Karolin, wo hast du deinen Master gemacht und weshalb hast du dich für eine Promotion am Biozentrum entschieden?
Ich habe meinen Master in Heidelberg gemacht, in der Nähe meiner Heimatstadt Mannheim. Während dieser Zeit war ich knapp ein Jahr lang Praktikantin hier in Basel bei Novartis. So verliebte ich mich in diese Stadt und in die Schweiz generell. Während meines letzten Masterjahres, das ich in Boston verbracht habe, habe ich mit einem ehemaligen PhD-Studenten aus der Gruppe von Timm Maier zusammengearbeitet. Das war ein glücklicher Zufall, da es für mich mit meinem Interesse an molekularen Maschinen nahelag, mir das Maier Labor einmal genauer anzuschauen. Von ihm habe ich zusätzlich Eindrücke aus erster Hand und eine Empfehlung für das Biozentrum Fellowships Programm erhalten. So habe ich mich von den verschiedenen Instituten, die ich mir angeschaut habe, für das Biozentrum entschieden.

Warum machst du eine Promotion und was ist das Besondere am «Biozentrum PhD Fellowships»- Programm?
Ich möchte gerne Neues entdecken und erforschen, am liebsten mit einer eigenen Gruppe – die Promotion ist hier ein ganz natürlicher Teil meines beruflichen Weges. Etwas ganz Besonderes am Fellowships Programm ist das Rotationsprinzip: Durch die Möglichkeit in verschiedene Labore hineinzuschnuppern, lernt man andere Denkansätze und Methoden kennen. Ich interessiere mich dafür, wie Zellwachstum und Stoffwechsel auf molekularer Ebene reguliert sind, hier spielen mTOR Komplexe eine zentrale Rolle. Bevor ich meinem Wunschlabor, dem Maier Labor, beigetreten bin, habe ich eine Rotation im Hall Labor gemacht. Dort habe ich gelernt, molekulare Vorgänge in Zellen zu untersuchen. Durch die kollaborative Atmosphäre zwischen beiden Laboren bin ich in der glücklichen Position, diese molekularen Mechanismen aus zwei verschiedenen Perspektiven zu erforschen.
Zudem finde ich das Graduate Teaching Programm mit seinen Vortragsreihen und Kursen sehr spannend. Bis jetzt habe ich vor allem in den Bereichen der Interaktion von Biomolekülen, Strukturbiologie oder Programmierung Kurse besucht, da es mir half, noch tiefer in die Materie einzutauchen. Um meinen Horizont zu erweitern, habe ich mir für die Zukunft auch schon andere Kurse aus den «Lecture Cycles» angeschaut, beispielsweise Epigenetik oder Translation. Ein PhD-Retreat wäre auch schön, um andere PhD-Studenten und deren Forschung näher kennenzulernen. Leider hat er bisher aufgrund von Corona nicht stattgefunden.

Was gefällt dir hier am Biozentrum besonders?
Einzigartig ist hier, dass so viele verschiedenen Fachbereiche so nahe beieinander sind. Nicht nur räumlich, sondern auch von der Einstellung her. Die Leute denken interdisziplinär und kooperativ. Normalerweise hat man an anderen Universitäten grössere Departements mit Teams ähnlicher Fachbereiche. Hier aber gibt es viele unterschiedliche Sichtweisen auf die verschiedensten Dinge, was ich besonders toll am Biozentrum finde. Hinzu kommen noch die Synergien mit den anderen akademischen Instituten, wie das FMI oder D-BSSE der ETH Zürich, und Industriekollaborationen.

Wer ist dein Doktorvater, wie ist die Zusammenarbeit mit ihm und wie hast du das Thema für die Promotion gewählt?
Mein Doktorvater ist Timm Maier. Ich werde direkt von ihm betreut und in allen möglichen Bereichen unterstützt und beraten, so dass ich mich sehr gut aufgehoben fühle und auch sehr viel lernen kann. Es ist Timm Maier sehr wichtig, dass wir technisch immer «State of the Art» sind, d.h. am Puls der Zeit sind, Innovationen im Labor aufgreifen und das richtige Equipment haben. Dadurch können wir sehr effizient und qualitativ hochwertig arbeiten.
Ich habe zusammen mit ihm das Thema anhand meiner Interessen diskutiert und ausgearbeitet. Die Richtung geht in die der mTOR Komplexe, die eine zentrale Rolle in der Stoffwechselregulierung einnehmen und somit von grosser Bedeutung in der medizinischen Forschung sind.

Wie ist die Atmosphäre bei euch im Team?
Sehr gut. Wir sind ein kunterbunter internationaler Haufen, der sich sehr gut ergänzt. Und tatsächlich ist es so, dass Corona uns noch enger zusammengeschweisst hat, weil man seine Kolleginnen und Kollegen aktiv vermisst hat. Es ist sehr schön, dass wir nun wieder einigermassen zusammenarbeiten und diskutieren können.

In der Forschung gibt es neben den Erfolgserlebnissen, oft auch frustrierende Momente. Wie gehst du damit um?
Forschung ist meine Leidenschaft, in die ich mein ganzes Herzblut stecke. Natürlich ist man dann auch frustriert, wenn etwas mal nicht klappt. Auf der anderen Seite freut man sich dann aber umso mehr, wenn etwas klappt, seien es kleine oder grosse Erfolge.

Wie sieht es denn mit der Arbeitsbelastung aus und hast du überhaupt noch Zeit für Hobbies?
Die Arbeitszeit ist sehr individuell, ich kann mir meine Zeit frei einteilen. Natürlich kann es passieren, dass ich auch mal am Wochenende arbeite. Das ist dann aber meine eigene Entscheidung, um Zeit in der nächsten Woche einzusparen oder spannende Ergebnisse schon früher zu haben.
Zeit für Hobbies bleibt mir immer noch. Ich liebe es zu wandern und von Basel aus ist man sehr schnell in den Bergen. Das war auch mit einer der Gründe, weshalb ich mich für Basel entschieden habe. Zudem habe ich hier mein Uniorchester, in dem ich Fagott spiele und meine Badminton-Gruppe. Ich habe also definitiv meinen Ausgleich mit Hobbies.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Dann bin ich 35 Jahre alt und am liebsten bereits Junior-Gruppenleiterin. Ob akademische Forschung oder Industrie, das halte ich mir noch offen. Das kommt dann auf das Umfeld darauf an. Mein Wunsch ist es, ein Thema zu erforschen, für das ich brenne, zusammen mit einem Team, das meine Leidenschaft teilt.