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Interview mit Enea Maffei

Von den Bakterien zu den Bakteriophagen, von einer grossen in eine kleine Forschungsgruppe − mit dem Schritt vom Master- zum PhD-Studenten vollzog Enea Maffei gleich mehrere Wechsel. Treu geblieben ist er dem Biozentrum und Basel, das der gebürtige Tessiner für sich als Grossstadt im Taschenformat entdeckt hatte. 

Enea, du bist seit 2013 am Biozentrum in Basel. Was hat dich vom Tessin nach Basel verschlagen?
Ursprünglich bin ich für das Bachelorstudium nach Basel gezogen. Seitdem hat es mir hier so gut gefallen, dass ich mich entschieden habe, länger zu bleiben. Nach meinem Bachelor habe ich meinen Master mit Schwerpunkt Mikrobiologie in der Gruppe von Prof. Urs Jenal gemacht. Für meinen PhD hatte ich verschiedene Angebote, doch nach reiflicher Überlegung wurde mir klar, dass ich in der Gruppe von Dr. Alexander Harms promovieren möchte. 

Weshalb dieser Wechsel von einer grossen Gruppe in eine kleine und von Bakterien zu Bakteriophagen?
Zunächst mal ist das Team von Alexander Harms bei Urs Jenal angesiedelt. Wir sitzen alle in einem Büro, daher fühlt es sich eigentlich gar nicht so klein an. Trotzdem, ich habe mich für einen PhD bei Alexander entschieden, weil ich bewusst in einem kleinen Team arbeiten wollte. Es liegt mir einfach mehr und ich fühle mich wohl. Ein Vorteil ist, dass man sich immer schnell mal austauschen kann. Was den Wechsel von Bakterien zu Bakteriophagen betrifft: ich suchte nach einer neuen Herausforderung. Für mich ist es die richtige Entscheidung gewesen.  

Was ist nun anders als im Masterstudium?
Ich habe mehr theoretisches Wissen und praktische Erfahrung. Beides kann ich in mein eigenes Projekt einbringen. Zudem hat man als PhD viel mehr Zeit für die Forschung, einen viel besseren Überblick über den Stand der Forschung und über die offenen Fragenstellungen. 

Ein Doktorat zu machen, ist ein grosser Schritt. Weshalb hast du dich dafür entschieden?
Das war ein längerer Prozess. Weil ich mir nicht sicher war, ob ich den akademischen Weg einschlagen will, habe ich nach meinem Masterstudium zunächst in der Privatwirtschaft gearbeitet. Aber mir wurde bald klar, dass ich zukünftig − ob in der Akademie oder in der Industrie −nur mit einem PhD Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen kann. Das bestätigten mir auch viele Personen in meinem Umkreis. 

Und warum fiel deine Wahl für den PhD auf’s Biozentrum?
Ich finde, das Biozentrum bietet ein einmaliges Umfeld. Es fängt schon im Kleinen an: Sobald man Fragen hat, findet man die Antworten bei Kolleginnen und Kollegen auf demselben Stockwerk. Und auch inhaltlich habe ich hier das gefunden, was ich machen wollte: Grundlagenforschung mit Hinblick auf die Gesundheit des Menschen. Vieles ist hier sehr gut organisiert, es gibt immer einen Verantwortlichen für die unterschiedlichen Bereiche und mit den Core Facilities findet man stets und innerhalb kürzester Zeit professionelle Hilfe. 

Was ist das Thema deiner Doktorarbeit?
Meine Arbeit beruht auf dem Forschungsthema von Alexanders Team, also Bakteriophagen. Ich untersuche, wie man bakterielle Viren nutzen kann, um Bakterien zu bekämpfen, die chronische Infektionen verursachen. Forschung mit Bakteriophagen war früher weit verbreitet, und mit Werner Arber und Eduard Kellenberger war das Biozentrum sogar führend in diesem Bereich. Das ist aber lange her. Nun erleben Bakteriophagen weltweit wieder eine Renaissance.

Wie ist die Betreuung?
Sehr gut. Mir gefällt die enge Begleitung. Ich suche den direkten Austausch und finde das hier auf kürzestem Weg. Ich kann stets alles – ob gut oder schlecht – direkt mit Alexander besprechen. Ich werde unterstützt, gefordert und gefördert, und erhalte auch viel Zuspruch. Alexander ermutigt mich dazu Neues auszuprobieren, meine Gedanken und Ideen einzubringen, und neben der Arbeit auch Kurse zu besuchen. Alles in allem könnte es nicht besser sein. 

Wie gehst du mit Misserfolg um?
Glücklicherweise hatte ich bereits Erfolgserlebnisse und einige Antworten auf meine Fragen gefunden. Die Komponente Glück spielte da auch eine Rolle. Misserfolge und mit Frustrationen umgehen zu lernen, gehören auch dazu. Sport hilft mir dabei und auch Auszeiten tun da ihr Gutes. Generell tendiere ich dazu jeden noch so kleinen Erfolg zu zelebrieren und mich von Rückschlägen nicht runterziehen zu lassen.  

Das Graduate Teaching Programm ist ein Bestandteil des PhDs. Wo stehst du da?
Mit dem Graduate Teaching Programm läuft es sehr gut. In meinem ersten Jahr konnte ich bereits fast alle Credits für meinen PhD sammeln. Da die Vorlesungen während der Arbeitszeit stattfinden, muss man abwägen, ob diese einen weiterbringen oder man doch besser arbeiten soll. Generell ist die Zeit aber gut investiert. Das Angebot ist vielfältig und man bekommt Einblicke in andere Gebiete. Ich habe zum Beispiel Grundlagen des Programmierens belegt, denn heutzutage kommt man in der Biologie nicht mehr ohne solche Kenntnisse aus. Diesen Dezember werde ich Seminare in der molekularen Virologie besuchen.  

Hast du auch schon an einem PhD Retreat teilgenommen?
Ja, ganz am Anfang meines Doktorats. Ich habe zwar noch keinen Vortrag gehalten, weil es noch zu früh war, aber das ist mein nächstes grosses Ziel. 

Wie ist der Austausch mit den anderen PhD Studenten?
Sehr offen und bereichernd. Als PhD Representative bin ich aktives Mitglied des PhD Vorstandes. Wir versuchen Wissenschaft und Sozialleben zusammenzubringen und bieten zudem Beratungen an. Zweimal im Jahr führen wir einen Einführungstag durch, wir besuchen die Core Facilities, organisieren den PhD Retreat, Apéros, Lunches, Barbecues und andere Events. Ein Highlight für mich letztes Jahr war die Organisation der Life Sciences Party in Zusammenarbeit mit anderen führenden Instituten und Firmen in der Stadt Basel. 

Hast du noch Zeit für Hobbies?
Meine grosse Leidenschaft und mehr als nur ein Hobby war und ist die Pfadi. Bis vor kurzem war ich aktiver Leiter bei der Pfadi im Tessin. Während meines Studiums fuhr ich jedes Wochenende dorthin. Über die Jahre wurde die Zeit dafür aber immer knapper. Jetzt bin ich nur noch hinter den Kulissen tätig. Dafür habe ich nun wieder mehr Zeit in den Bergen zu wandern und auf Konzerte zu gehen.  

Und was gefällt dir an Basel am meisten? 
Da fallen mir spontan zwei Sachen ein: Erstens, es ist eine Grossstadt im Taschenformat. Sie bietet einem alles, was man will, ohne zu gross und anonym zu wirken. Und zweitens, der Rhein. Nur hundert Meter von meinem Zuhause entfernt ist das Ufer. Das Herz der Stadt ist der Rhein und wenn man Freunde für ein Bierchen treffen will, muss man nur runter ans Ufer gehen. Das ist für mich pure Lebensqualität.