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Interview mit Lisa Traunmüller

Begeistert erzählt sie von ihren faszinierenden Forschungsdaten. Frust bezeichnet sie als Antriebsfeder und wenn sie abends bis spät arbeitet, liegt das an ihrer eigenen Ungeduld. Lisa Traunmüller aus Linz in Österreich, hat ihr Ziel klar im Visier. Eine Forscherkarriere in der Akademie. Doch nicht nur diese hat sie in die Neurobiologie Gruppe von Prof. Peter Scheiffele nach Basel geführt. Auch die Stadt hatte es ihr von Anfang an angetan.

Wo hast du deinen Master gemacht?
Ich habe in Wien studiert und meinen Abschluss von der dortigen Uni. Meine Masterarbeit habe ich jedoch am Biozentrum gemacht. Und da ich bei Peter Scheiffele super happy war und mir auch Basel extrem gut gefällt, bin ich hier geblieben. 

Warum hast du dich grundsätzlich entschieden einen PhD zu machen?
Seit ich denken kann, habe ich mich für Neurobiologie interessiert. Und als ich dann 2011 während meinem Bachelor am Research Institute of Molecular Pathology in Wien angefangen habe zu arbeiten und gesehen habe, wie die Leute dort forschen, war mir sofort klar, dass ich genau das machen will. Ich möchte auch nach dem PhD in der Akademie bleiben und eines Tages Gruppenleiterin werden. Das ist mein erklärtes Ziel und da führt kein Weg an einem PhD vorbei. 

Warum hast du dich für das Biozentrum entschieden?
Für meine Masterarbeit wollte ich noch nicht allzu weit weg. Ich dachte, versuch‘s, es ist nur für ein Jahr und wenn es klappt, dann weisst du, dass du nachher in die Welt raus kannst. Und das Biozentrum hat einfach ein super Angebot und gerade im Bereich Neurobiologie ganz tolle Leute mit einem unheimlich guten Ruf. Auch dass es hier ganz unterschiedliche Fachbereiche gibt, ist total spannend. Wenn ich denke, was ich zum Beispiel am Biozentrum Symposium im Januar an Informationen aus den anderen Bereichen mitbekommen habe! Das finde ich echt gut. 

Das Biozentrum arbeitet ja eng mit andern Forschungsinstituten in Basel wie dem FMI, dem Swiss TPH oder dem DBM zusammen. Profitierst du davon?
Ja, schon. In der Neurobiologie haben wir alle Lectures gemeinsam und ich bin definitiv der Meinung, dass es bei so vielen Instituten absolut Sinn macht, Synergien zu nutzen und sich gegenseitig zu helfen. Es herrscht ein reger Austausch, auch zum Beispiel mit Roche.  

Wie hast du das Thema für deine Doktorarbeit ausgewählt?
Das ist durch meine Masterarbeit entstanden. Zu Beginn wussten wir über das Protein, welches wir untersuchen, noch nicht sehr viel, aber dann haben wir während meines Masters interessante Sachen heraus gefunden und so konnte ich nicht mehr loslassen (lacht). Ein noch relativ unbekanntes Protein zu charakterisieren gibt dir unheimlich viele Möglichkeiten, Verschiedenes zu versuchen. Schon die Masterarbeit wurde im Journal of Neurosciences publiziert und jetzt hatten wir soeben eine Science Publikation. Das Protein beeinflusst das Verhalten von Mäusen in neuen Umgebungen und könnte für die Erforschung von psychischen Krankheiten wichtig sein. 

Trotzdem, Forschen ist ja nicht nur Erfolg. Es gibt auch Phasen, wo du gegen Frust ankämpfen musst?
Frust ist für mich der beste Antrieb. Wenn Sachen nicht funktionieren, dann hänge ich mich so lange rein, bis es klappt. Und das Gute ist, man ist ja nicht alleine. Wir haben im Labor einen grossen Zusammenhalt, da kriege ich Unterstützung von meinen Kollegen und vom Chef. Aber man muss sich hin und wieder auch selbst einen Tritt verpassen! Es ist schon so, dass es der schwierigste Teil der Arbeit ist. Schliesslich ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass Sachen nicht funktionieren. 

Du besuchst ja auch Kurse aus dem Graduate Teaching Programms. Wie wählst du diese aus?
Da bin ich ganz stur (lacht). Ich konzentriere mich ganz auf die Neurobiologie, weil ich immer noch das Gefühl habe, viel zu wenig zu wissen, gerne in die Tiefe gehe und die Neurobiologie ja auch ein super grosses Gebiet ist. Aber in unserem Labor gibt es Leute mit ganz unterschiedlichen Hintergründen ‒ da kriegt man schon viel mit und liest sich dann auch in andere Sachen ein. 

Wie ist die Zusammenarbeit mit deinem Betreuer Peter Scheiffele?
Wir haben sehr regen Austausch. Einerseits ist da das wöchentliche Meeting. Andererseits habe ich gerade jetzt, als er ein Sabbatical in Japan gemacht hat, gemerkt, wie oft ich in sein Büro reinplatze mit irgendwelchen Fragen oder Resultaten, weil ich ihm das jetzt sofort mitteilen muss und da nimmt er sich immer die Zeit. Peter ist sehr gut sowohl im Fördern wie im Fordern. Es gibt bei uns keinen PhD Studenten, der ausschliesslich von einem Postdoc betreut wird. Peter ist da sehr involviert.

Wie ist die Stimmung im Team?
Super. Jeder hat sein eigenes Projekt, aber je nachdem wie sich dieses entwickelt, arbeiten wir auch eng zusammen. Das Sciences Paper, zum Beispiel, habe ich mit einer Postdoc Kollegin zusammen gemacht, denn als ich von meinen faszinierenden Daten berichtete, meinte sie, hey, da kann ich was dazu beitragen.  

Daneben gibt es ja auch noch das Thesis Advisory Comittee. Hast du dich mit diesem schon getroffen?
Ja, mein Committee setzt sich aus Peter Scheiffele und zwei weiteren Professoren des Biozentrums zusammen. Alle drei sind unglaubliche Wissenschaftler. Ich fand es sehr inspirierend, weil viel diskutiert wurde, teilweise auch nur zwischen den drei Professoren. Es war super spannend zu sehen, wie sie arbeiten. 

Wie ist die Arbeitsbelastung. Musst du auch abends oder am Wochenende arbeiten?
Das passiert immer mal wieder. Meistens liegt es an mir. Da denk ich, ach, wenn ich die drei Stunden jetzt noch da bleibe, hab ich das Ergebnis noch heute, dann kann ich morgen schon weitere Experimente machen. Bei mir ist es also meistens die eigene Ungeduld. Natürlich hat man auch teilweise Experimente, die über viele Tage gehen. Dann hat man keine Wahl. 

Warst du schon an einem PhD Retreat?
Ja, letztes Jahr. Ich war noch relativ neu und eine Kollegin aus dem Labor stellte mich allen Leuten vor, die sie kennt. Das war sehr hilfreich. Und die Talks waren unglaublich gut, man hat so viel davon mitbekommen, was die anderen machen. Auch zwischenmenschlich war es toll, zwei Tage zusammen zu sein und auch mal die Freizeit zusammen beim Wandern zu verbringen. Ich habe erst im Nachhinein gemerkt, wie viel wir auch in solchen Momenten über Wissenschaft gesprochen haben. 

Hast du einen Tipp für angehende PhD Studenten?
Ich denke, viele unterschätzen, wie wichtig die Kollegen im Labor sind und sprechen, wenn sie sich vorstellen, nur mit dem Gruppenleiter. Es ist aber nicht in allen Labors so, dass man direkt vom Chef betreut wird. Häufig ist das ein Postdoc. Und zum anderen braucht man ja auch die Unterstützung vom Team, denn immerhin verbringt man mit diesen Leuten sehr, sehr viel Zeit. Ich würde also nicht nur auf die Wissenschaft, sondern auch auf das Persönliche schauen. 

Du bist von Wien nach Basel gezogen. Wie war dein Anfang hier?
Am Anfang war es recht zäh Kontakt zu kriegen, aber inzwischen treffe ich mich mit Leuten vom FMI, aus der Physik und der Chemie und lustigerweise mit vielen Architekten. Auch in der Gruppe hat es etwas gedauert, bis ich mich in die Dynamik reingefunden habe. Einzig Basel hat es mir von Anfang leicht gemacht. Die Leute sind so nett, die Atmosphäre ist total freundlich und es ist ja so viel los. Im Sommer treffen wir uns am Rhein, im Winter in coolen kleinen Bars und Basel hat ein grosses kulturelles Angebot. Häufig schnapp ich mir auch mein Rad und ab geht’s in die Natur. Meine Laufbahn wird mich sicher zwischenzeitlich von hier wegführen, aber ich würde wahnsinnig gern wieder nach Basel zurückkommen.