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Interview mit Ricardo Righetto

Wissenschaftler zu werden ‒ das war schon immer sein Traum. Und den PhD wollte er unbedingt im Ausland machen. Als Ricardo Righetto aus Brasilien auf die Gruppe von Prof. Henning Stahlberg stiess, war ihm gleich klar, dass er dort forschen will. Doch sein Interesse gilt nicht allein der Strukturbiologie. Ganz nach seinem Credo, immer für alles offen zu bleiben, schätzt er den interdisziplinären und internationalen Charakter des Biozentrums, das dichte Life Sciences Netzwerk Basels und dessen Lage mitten in Europa.

Wo hast du deinen Master gemacht?
Ich habe meinen Master in Elektro- und Informationstechnik an der Universität von Campinas in Brasilien 100 km nördlich von Sao Paulo in Zusammenarbeit mit der Elektronenmikroskopie Facility des nationalen brasilianischen Nanotechnologie Labors gemacht. Studieren dauert in Brasilien viel länger als hier in Europa. Für den Bachelor braucht man je nach Studienrichtung vier bis fünf Jahre, für den Master zwei.

Wieso hast du dich für einen PhD entschieden?
Ich wollte eigentlich schon immer Wissenschaftler werden. Schon als Kind habe ich Filme und Bücher über Wissenschaft verschlungen. Meine Eltern haben meinen Wissensdrang sehr unterstütz. Als ich mit meinem Master begann, war mir bereits klar, dass ich auch einen PhD machen werde, denn für mich ist das der wichtigste Teil der wissenschaftlichen Ausbildung überhaupt. Zudem wollte ich den PhD im Ausland machen, denn ich denke, dass dies eine Phase im Leben ist, in der es unheimlich wichtig ist, zu „networken“ und andere Herangehensweisen an die Forschung kennen zu lernen. Auch nach meinem PhD möchte ich in der Forschung bleiben, ob in der Industrie oder der Akademie, das ist noch offen.

Wie hast du das Thema für deine Doktorarbeit ausgewählt?
Ich fand meine Masterarbeit super spannend, also habe ich mich nach Forschungsgruppen umgeschaut, die Methoden im Bereich der Mikroskopie entwickeln und in Henning Stahlbergs Gruppe hier am Biozentrum die richtige gefunden. Und dann wollte es das Glück, dass ich auf einer Konferenz einen Doktoranden vom Biozentrum kennengelernt haben, der mir vom "Biozentrum PhD Fellowships" Programm erzählt hat. Also habe ich diese Chance beim Schopf gepackt.

Wie war der Auswahlprozess?
Nun, es war ziemlich kompetitiv und eine echte Herausforderung. Aber ich konnte viel von den Erfahrungen eben dieses Doktoranden, der selbst ein Fellow ist, profitieren und er half mir auch meine Bewerbung vorzubereiten. Und dann kam ich in die engere Wahl für die Interview-Woche. Es war wirklich eine tolle Erfahrung, obwohl ich am Anfang schon ein bisschen Angst hatte und beim ersten Interview ziemlich nervös war. Ich weiss nicht, ob es Zufall war, aber im Laufe der Woche konnte ich mich steigern und meine Interviews wurden immer besser (lacht).

Obwohl du dachtest, dass Hennings Gruppe für dich die Richtige ist, hast du zunächst einige Zeit in Torsten Schwedes Gruppe geforscht. Warum?
Das Fellowships for Excellence-Programm bietet die absolut einzigartige Möglichkeit, verschiedene Gruppen kennen zu lernen, bevor man sich entscheidet, wo man seinen PhD machen will. Diese Chance konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Ich bin der Meinung, dass man immer offen sein sollte und dachte, dass ich vielleicht durch meine Masterarbeit auch ein bisschen voreingenommen sei und es durchaus auch etwas anderes geben könnte, dass noch besser zu mir passt, von dem ich aber einfach noch nichts weiss. Es war eine tolle Erfahrung mit Torsten zu arbeiten. Ich habe viel gelernt und auch meine Programmierkenntnisse verbessert, aber am Ende bin ich zu meiner anfänglichen Idee zurückgekehrt und nun mache ich meinen PhD in Hennings Gruppe im Bereich Strukturbiologie.

Bietet das Programm abgesehen von der Möglichkeit der Rotation noch andere Vorteile?
Ja, ein grosser Anreiz ist das persönliche Stipendium, welches man bekommt, um zum Beispiel Konferenzen zu besuchen oder Sachen für die Forschung zu kaufen, wie zum Beispiel Bücher. Auch gibt es eine jährliche Reise zusammen mit den anderen Fellows, was super ist, weil du die anderen Fellows, aber auch andere Orte und Arbeitsumgebungen kennenlernst.

Woran arbeitest du?
In unserem Labor untersuchen wir mit Hilfe der Elektronenmikroskopie die Struktur von Proteinen. Dies erfordert die Entwicklung zahlreicher Algorithmen und Methoden zur Datenverarbeitung, um die Struktur der Proteine entschlüsseln zu können. Und spannende biologische Gegebenheiten sind meist mit methodischen Herausforderungen verknüpft, sodass wir für all diese massgeschneiderte Lösungen entwickeln müssen. Ich arbeite nicht im Labor, wie viele andere PhDs am Biozentrum, sondern ausschliesslich am Computer, was mir angesichts meines IT-Hintergrunds voll entgegen kommt (lacht). Dennoch war der Schritt in die Life Sciences zu wechseln, ziemlich gross und ich musste und muss noch viel lernen. Dabei hilft mir das Graduate Teaching Programm sehr. Wir sind frei, unsere Kurse zu wählen und so habe ich gleich zu Beginn einen Intensivkurs in Computational Strukturbiologie belegt. So bin ich ziemlich schnell in das Thema eingetaucht.

Wie ist die Zusammenarbeit mit deinem Doktorvater Henning und deinen Kollegen?
Wir haben unsere wöchentlichen Gruppenseminare, in denen jeweils zwei Personen ihre Arbeit vorstellen, und die sind hervorragend, um Feedback zu bekommen. Abgesehen davon, kann ich jederzeit zu Henning ins Büro, wenn ich mit ihm etwas besprechen oder meine Ergebnisse ‒ ob gut oder schlecht ‒ diskutieren möchte. Unsere Zusammenarbeit ist sehr flexibel und funktioniert bestens so. Zudem gibt es auch andere Doktoranden, die im Bereich der Datenverarbeitung arbeiten, und obwohl wir alle an verschiedenen Projekten dran sind, können wir einander oft helfen, da jeder einen anderen Erfahrungsschatz mitbringt. 

Gibt es etwas, was du am Biozentrum besonders schätzt?
Die Arbeitsbedingungen sind ausgezeichnet. Und mir gefällt die internationale Atmosphäre ‒ dass es hier Menschen aus der ganzen Welt hat ‒ und die Tatsache, dass das Biozentrum nicht rein auf die Strukturbiologie fokussiert ist, sondern noch vier weitere Schwerpunktbereiche hat, mit denen wir zusammenarbeiten können. Auch die Lage Basels ist etwas ganz Besonderes, einerseits weil es in ein riesiges Life Sciences-Netzwerk, das wahrscheinlich eines der besten in der Welt ist, eingebettet ist, andererseits weil es mitten in Europa liegt. Es ist so einfach, überall hinzugelangen ohne lange reisen zu müssen. Das ist in Brasilien ganz anders. Wenn man dort an eine internationalen Konferenz will, bedeutet das immer eine lange und teure Reise, es sei denn, sie findet zufällig in Brasilien selbst statt.

Wenn wir es gerade von Konferenzen haben, warst du schon mal an einem Biozentrum PhD Retreat?
Ja, und ich denke, auch das ist etwas ganz Besonderes am Biozentrum und eine super Erfahrung für alle Studenten. Und so habe ich auch nach meinen ersten Retreat beschlossen, dem Organisationskomitee beizutreten. Der diesjährige Retreat fand vor ein paar Wochen statt und wir haben bereits damit begonnen, den Nächsten zu organisieren.

Für deinen PhD bist du von Brasilien nach Basel gezogen. Wie war dein Start hier?
Inzwischen habe ich mich sehr gut eingelebt, aber es war schon eine grosse Veränderung. Hier ist alles viel ruhiger und es herrscht ein anderes Tempo. Was ich ein wenig vermisse, ist die brasilianische Musik und Kultur, aber Basel ist ein sehr schöner Ort zum Leben. Meine Frau und ich lieben die vielen Museen und kulturellen Veranstaltungen und Basels Umgebung kann man sehr gut mit dem Fahrrad erkunden. Und ich habe schnell Freunde gefunden. Auch, dass ich ein wenig Deutsch kann, hilft sehr und ich hatte das Glück, dass ich nach Basel kam, als die Regierung entschied, allen Zuziehenden einen Gutschein für einen Deutschkurs zu geben. Das gab mir den richtigen Anstoss.

Hast du einen Tipp für zukünftige PhD Studenten? 
Ich finde, man sollte sich nicht nur auf sein Forschungsthema konzentrieren, sondern dieses unter einem interdisziplinären Aspekt betrachten. Und das Wichtigste ist meiner Meinung nach, immer offen zu bleiben, neue Leute zu treffen und alles zu lernen, was man irgendwie lernen kann.