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Interview mit Silvia Candido

Das Bild vom typischen Forscher hat sich für die Bachelor-Studentin im dritten Studienjahr deutlich gewandelt. Wie viele andere dachte sie früher, dass Forscher Einzelgänger seien und alleine im Labor vor sich hin arbeiten. Seit dem sie jeden Tag hier am  Biozentrum ihre Blockkurse in Molekularbiologie absolviert, hat sie gemerkt, dass dies gar nicht stimmt. Denn auch Forscher kommen nur gemeinsam vorwärts. 

Warum hast du dich für das Biologiestudium entschieden?
Mein Entschluss dazu war recht spontan. Eigentlich wollte ich Medizin studieren, aber nachdem ich die Aufnahmeprüfung nicht bestanden hatte, suchte ich nach etwas Ähnlichem. Und da war das Bio-Studium sehr naheliegend. Es hat mir sofort, vom ersten Jahr an, sehr gefallen. Aber ich muss zugeben, das dritte Jahr ist ganz anders im Vergleich zu den ersten beiden. Es ist fast nur noch Praxis. Während der Blockkurse verbringen wir den ganzen Tag im Labor, von morgens um neun bis abends um sechs. Das ist so, als würde man schon richtig arbeiten.

Im ersten Studienjahr liegt der Fokus stark auf Mathematik, Physik und Chemie. Wie war das für dich?
Im ersten Jahr hat man nur drei Biologiefächer pro Semester. Das ist recht wenig, dafür, dass man Biologie studiert. Für viele stellt dies ein Hindernis dar. Ich selbst hatte damit aber kein Problem, da mir allgemein die Naturwissenschaften gefallen. Und ich finde, das gehört auch dazu. Um die Biologie zu verstehen, braucht man Kenntnisse in der Chemie, Physik und Mathematik. Im Blockkurs Strukturbiologie zum Beispiel, werden die Grundlagen der Physik wieder sehr relevant. 

Wolltest du schon von Anfang in Richtung Molekularbiologie gehen?
Ja, für mich war das ganz klar. Mit Molekularbiologie kann man vieles machen, man hat mehr Auswahl im Master und ich finde die Thematik an sich sehr spannend. Und da ich mich besonders für die biomedizinische Forschung interessiere, war ganz klar, dass ich diese Richtung einschlage. Denn viele Krankheiten haben ihre Ursache auf molekularer Ebene. Ich bin jetzt ganz froh, dass ich nicht Medizin studiere, weil ich die Laborarbeit viel spannender finde als den Klinikalltag. Bei uns im Studium wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir die Zusammenhänge verstehen. Und das gefällt mir!

Wie stellst du deinen Stundenplan zusammen?
Unser Stundenplan ist schon seit dem ersten Jahr und für jedes Semester fix und fertig zusammengestellt. Nur die ausserfakultären Fächer konnten wir uns selbst aussuchen und reinschieben. Ich habe zum Beispiel die Vorlesungen „molekulare Psychologie“ und „medizinische Rechte“ der juristischen Fakultät besucht. Ich finde es ganz gut, dass es die ausserfakultären Fächer gibt, so erweitert man seinen Horizont. Aber man muss dort auch viele Kreditpunkte holen und ich muss sagen, das alles richtig zu organisieren war recht schwierig. 

Gab es jemanden, bei dem du dir Rat holen konntest?
Zu Beginn des Studiums haben wir einen Götti oder eine Gotte zur Seite gestellt bekommen. Ich habe damals Kontakt zu meiner Gotte aufgenommen und sie hat mir gesagt, worauf ich alles achten muss. Das war für mich sehr nützlich, aber letztendlich habe ich trotzdem meine Fehler gemacht. Manche Erfahrungen muss man eben einfach selbst machen. 

Wie läuft das dritte Studienjahr ab?
Das dritte Studienjahr besteht aus vier Blockkursen à sechs Wochen zu verschiedenen Themen wie zum Beispiel Neuro- oder Infektionsbiologie. Montags beginnen wir in der Regel immer mit einer Einführungsvorlesung, während des Kurses sind wir dann im Praktikumsraum und machen unsere Experimente. Ich finde es gut, dass wir jetzt schon so viel Praxis haben, so bekommen wir schon früh einen Einblick in den Laboralltag und die Forschung. Ich finde das macht es letztendlich auch einfacher zu entscheiden wohin die Reise gehen soll. Leider haben wir, verglichen zu den ersten beiden Jahren, viel weniger Zeit für’s Studi-Leben.

Hast du denn noch Zeit neben dem Studium etwas zu machen?
Leider kann ich wegen der Blockkurse momentan nicht arbeiten. Davor habe ich oft Nachhilfe gegeben oder beim Catering und an Messen gearbeitet. Während der Vorlesungszeit habe ich das alles gut unter einen Hut bekommen. Jetzt hat man nur noch spät abends oder am Wochenende Zeit Geld zu verdienen. Wenn man darauf angewiesen ist, ist das schon problematisch. Offiziell geht der Blockkurs nur bis 18:00 Uhr, aber man muss noch viel nacharbeiten, sich vorbereiten, Paper lesen und Reports schreiben. 

Und wie gefällt es dir am Biozentrum?

Die Stimmung hier finde ich sehr gut. Man kann jederzeit jeden fragen. Im ersten Jahr bin ich zu einem Dozenten gegangen und der hat mir Tipps gegeben. Ich habe ihn auch gefragt, wie man sich das Leben als Forscher so vorstellen muss. Denn das weiss man am Anfang nicht. Er hat sich viel Zeit genommen für mich. Auch die Dozenten in den Blockkursen sind sehr locker, sie verlangen schon, dass wir etwas leisten, aber sie kommen uns oft entgegen. Und sie sind noch ziemlich jung. Dass es so viele junge Forscher und Dozenten gibt, das finde ich hier auch noch toll. 

Weisst du schon, was du danach machen möchtest?
Ich würde sehr gerne noch einen Master anschliessen. Aber direkt nach dem Bachelor-Abschluss möchte ich erst einmal ein Praktikum machen oder eine Stelle vielleicht bei der Novartis suchen, um zu schauen, was es speziell in der angewandten biomedizinischen Forschung gibt. Ich denke es ist wichtig schon einmal Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln. Wenn man sich nach dem Studium auf Stellen bewirbt, sind solche praktischen Erfahrungen sicherlich hilfreich. 

Wie war denn der Studienanfang, alles klar oder eher chaotisch?
Der lief mega gut. Ja, das erste Jahr war wirklich super. Ich habe alles auf Anhieb bestanden. Wir hatten einen Stundenplan und daher war es klar, welche Vorlesungen wir besuchen müssen. Ich habe gewusst, dass man für Physik und Mathe die Übungen lösen musste und das natürlich am besten selbst. Denn nur so kann man die Abschlussprüfungen bestehen. Selbstdisziplin und immer dran bleiben ist sehr wichtig. 

Wie sieht das Studentenleben hier aus?
Es gibt vielleicht kein ganz typisches Studentenleben, denn wie ich haben auch viele andere Studenten ihre Freunde noch aus der Schulzeit. Daher war ich am Anfang des Studiums vielleicht weniger offen für neue Freundschaften. Aber seit wir dreissig Blockkurs-Studenten hier am Biozentrum den ganzen Tag zusammen sind, treffen wir uns auch häufig noch am Abend. Wir haben jetzt einen viel engeren Kontakt. Manchmal gehen wir am Abend noch etwas Trinken und fast jedes Wochenende machen wir etwas zusammen. So wie es jetzt ist, ist es wirklich super! Das macht die Tiefpunkte im Studium um einiges erträglicher. Wir können uns gegenseitig unser Leid klagen oder auch gemeinsam drüber lachen.