Amanda Santos Kron

Interview mit Amanda Santos Kron

Masterstudentin

Für sie ist Organisation und gute Planung die halbe Miete. Und obwohl sie manchmal früh aus den Federn hüpft, um ihre ganzen Experimente und an manchen Tagen einen Nebenjob unter Dach und Fach zu bringen, schafft sie es dennoch, auch das Studentenleben zu geniessen. Mag sein, dass Amanda Santos Kron, die ihren Master im Labor von Prof. Jan Pieter Abrahams im Bereich der Strukturbiologie und Biochemie macht, diese Kombination aufgrund ihrer schweizerisch-brasilianischen Wurzeln so gut gelingt.

Was fasziniert dich an der Molekularbiologie?

Die Komplexität. Wenn man selbst Experimente macht und dabei eine Kleinigkeit falsch macht, realisiert man, dass eine Winzigkeit alles auf den Kopf stellen kann. Alles ist eng miteinander verwoben. Das finde ich super spannend.

Wie hast du deine Gruppe für deine Masterarbeit ausgewählt?

Während der Blockkurse im dritten Bachelor Jahr hat jemand freiwillig alle Professoren angeschrieben, ob sie eine Masterstelle anzubieten haben. Kurze Beschreibungen dieser Stellen wurden dann im Blockkurs ausgehängt und da ich nicht wusste, wohin ich will, bin ich dann eben all diese Aushänge durchgegangen. Das Projekt bei Professor Jan Pieters Abrahams hat mich am meisten angesprochen, also habe ich ihm eine E-Mail geschickt und bin dann vorbei gegangen. Das war alles völlig unkompliziert.

Und woran arbeitest du jetzt?

Ich untersuche die Interaktion eines molekularen Chaperons – einem Faltungshelfer – mit amyloidogenen Proteinen. Im Fokus stehen falsch gefaltete Proteine, die in der Zelle Aggregate bilden und als Hauptursache für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson gelten. Uns interessiert, ob und wie genau Chaperone mit solchen fehlgefalteten Proteinen wie alpha-Synuclein interagieren und ob sie mit ihnen einen Komplex bilden, um sie richtig zu falten.

Wie war dein erster Tag im Labor?

Am ersten Tag bin ich ein bisschen wie ein Hündchen hinterher gelaufen (lacht), habe zugeschaut, mir alles aufgeschrieben und Unmengen Eindrücke gesammelt. Jetzt ist das natürlich anders. Ich arbeite recht selbständig und plane meine Experimente. Wenn sie funktionieren, bestens, wenn nicht, muss ich sie eben nochmals wiederholen oder mit meinem Betreuer sprechen, wie wir fortfahren sollen.

Experimente gelingen ja nicht immer auf Anhieb. Wie motivierst du dich in solchen Fällen?

Ich sage mir einfach, hey, das geschieht nicht nur dir, das ist normal, so ist die Wissenschaft eben, damit muss man leben und einige Hürden überwinden bis man zu einem Resultat kommt. Am Anfang ist das nicht ganz einfach, da ist man schon etwas frustriert und denkt, was habe ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht! Aber mit der Zeit merkt man, dass das bei allen so ist.

Und hast du schon Resultate welche du für die Masterarbeit verwenden kannst?

Ich konnte in den ersten vier Monaten schon relativ viele Daten sammeln. Ich hatte das Glück, dass das Protein relativ einfach zum Aufreinigen und Arbeiten war. Aber trotzdem, das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Ich muss nun die Experimente wiederholen und validieren, um wirklich etwas Aussagekräftiges davon ableiten zu können. Aber ich habe schon viel und das ist echt cool.

Wie ist der Austausch im Labor?

In erster Linie gibt mir der PhD Student, der mein Projekt betreut, Feedback. Aber wir haben auch ein wöchentliches Seminar zusammen mit der Gruppe von Henning Stahlberg und da bekommt man auch Input von den anderen und immer wieder gute Ratschläge. Überhaupt hilft man sich gegenseitig und die beiden Gruppen sind ein gut eingespieltes Team und treffen sich auch häufig auf ein Feierabendbierchen.

Nebst deiner Arbeit im Labor besuchst du ja auch noch Kurse. Wie wählst du diese aus?

Da ist man ziemlich frei und so habe ich neben den Lehrveranstaltungen in der Molekularbiologie auch eine fachfremde in molekularer Psychologie besucht, einfach weil mich das interessierte. Und dann ist es auch eine Frage des Timings. Am liebsten besuche ich morgens früh oder gegen Abend Vorlesungen und Seminare, weil ich dann in der Planung meiner Experimente viel flexibler bin.

Wenn du deine Masterarbeit mit dem Bachelor vergleichst, was ist der grösste Unterschied?

Vor allem das Praktische, dass du nun „hands-on“ etwas machst. Beim Blockkurs konnte man das zwar auch schon, aber da ist natürlich alles schon protokolliert und vorgegeben. Man folgte sozusagen wie beim Kochen einem Rezept. Für das was ich jetzt mache gibt es aber kein Standardprotokoll, ich muss einfach ausprobieren. Und natürlich arbeitet man auch viel selbständiger.

Und vom Aufwand her, kommst du mit einem normalen Arbeitstag durch oder arbeitest du manchmal auch in den Abend hinein?

Das kommt ganz darauf an. Generell geht es eigentlich ganz gut. Mein Stichwort ist einfach gute Organisation. Ich plane gerne voraus. Wenn ich weiss, dass an einem Tag viel ansteht, dann komme ich einfach früher, damit es am Abend nicht zu lange geht. Natürlich passiert es auch bei bester Planung, dass mal was schief geht und man länger bleiben muss, um das wieder ins Lot zu bringen, aber das ist nicht allzu oft.

Für einen Studentenjob reicht es daneben aber nicht mehr, oder?

Doch, auch das ist eine Frage der Organisation. Am Montag fange ich einfach sehr früh an, weil ich abends tamilischen Kindern Deutsch Nachhilfestunden gebe. Und ein bis zwei Mal pro Monat arbeite ich am Wochenende im Cateringbereich, meistens an Hochzeiten oder anderen Anlässen.

Wieso hast du das Biozentrum gewählt?

Ganz trivial, weil ich hier wohne und hier aufgewachsen bin (lacht). Aber mal ganz ehrlich, warum sollte ich mich auch anderswo umschauen? Das Biozentrum hat einen sehr guten Ruf und Basel ist im Bereich Life Sciences der beste Standort in der Schweiz, von daher bin ich gar nie auf die Idee gekommen, nach Zürich oder ins Ausland zu gehen.

Und würdest du es anderen empfehlen?

Ja, klar. Meines Wissens sind die Blockkurse im dritten Bachelor Jahr einzigartig in der Schweiz und sie geben einem wirklich einen guten Überblick über die Forschungsrichtungen. Und für den Master hast du dann ein grosses Themenspektrum, aus dem du wählen kannst.

Hast du einen Tipp für angehende Studierende?

Lasst euch in den ersten Jahren von der vielen Physik, Chemie und Mathe nicht demotivieren. Da muss man einfach durch und es wird nachher besser (lacht). Und schliesst euch in diesen Fächern zum Lernen mit anderen zusammen. Es bringt nichts, alleine zu Hause stundenlang über Übungen zu brüten, denn zusammen kommt man meist auf eine Idee und Lösung. Zudem ist es eine super Vorbereitung auf die Prüfungen.

Hast du schon eine Idee, was du nach dem Master machen möchtest?

Ich bin noch unschlüssig. Die Laborarbeit gefällt mir an und für sich sehr gut, auch das selbständige Arbeiten und Probleme zu lösen, denn wenn man dann eine Lösung findet, ist das ein echt cooles Erfolgserlebnis. Aber ich glaube nicht, dass ein PhD in der Akademie was für mich ist und kann mir vorstellen in die Industrie zu gehen oder auch eine Arbeit ausserhalb des Labors zu machen. Wie dem auch sei, nach dem Master geht’s erst mal auf Reisen (lacht).

Und wie ist das Studentenleben in Basel?

Basel ist echt ein gutes Pflaster. Jeden Donnerstagabend findet irgendwo in der Stadt eine Studentenparty statt, und da sind fast alle unterwegs, ausser die Biologiestudenten im Grundstudium, denn die haben das Pech, jeweils am Freitagmorgen um 8 Uhr eine heftige Vorlesung zum Beispiel in Mathematischen Methoden zu haben. Auch die Skuba stellt viel auf die Beine. Und dann ist ständig irgendwo ein Konzert, es gibt tolle Bars und Restaurant, und im Sommer ist es super, wenn sich alle mit ihren Schwimmsäcken den Rhein heruntertreiben lassen und sich am Ufer treffen.