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Interview mit Enea Maffei

Enea Maffei hat von Anfang an auf Molekularbiologie gesetzt, denn diese Fachrichtung hatte ihn schon zu Schulzeiten begeistert. Für das Studium hat er seiner Heimat – das Tessin – den Rücken gekehrt und ist nach Basel gekommen. Jetzt ist Enea Maffei bereits im Endspurt zum Master, den er am Biozentrum im Bereich Infektionsbiologie macht. Diese Zeit hat ihn gelehrt, was es heisst, Forscher zu sein, und eine neue Art von Geduld.  

Du kommst aus dem Tessin. Wie hat es dich an die Universität Basel verschlagen?

Als ich im Jahr 2013 angefangen habe, da war die einzige Universität im Tessin noch sehr klein und noch nicht so stark wissenschaftsorientiert. Da Deutsch meine zweite Muttersprache ist, habe ich gewusst, dass ich später in der Deutschschweiz landen werde. Zuerst habe ich mit der Idee geliebäugelt an der ETH Zürich Biologie zu studieren. 

Und warum wurde es dann doch die Uni Basel?

Bei uns im Tessin gab es vor dem Semesterstart einen Tag, an dem sich die Unis und Hochschulen vorgestellt haben. Dort habe ich mich bei der Uni Basel erkundigt und fand den Studiengang Molekularbiologie ziemlich interessant. Im darauffolgenden Jahr bin ich an den Info-Tag für Maturanden im Januar gegangen. Und das war der Moment, an dem ich mich für Basel entschieden habe. Mir hat gefallen, dass man sich das Bachelor-Programm teilweise selber zusammenstellen kann und ein wichtiger Punkt war für mich auch der Wahlbereich. Ich habe die Möglichkeit genutzt, um Spanisch zu lernen. Auch heute besuche ich, wenn es reinpasst, noch Spanischkurse.

Was hast du studiert und wo hast du deinen Bachelor gemacht?

Ich habe den Bachelor hier in Basel gemacht, schon gleich mit der Vertiefungsrichtung Molekularbiologie. Nach dem Bachelor-Studium habe ich mich dazu entschlossen, einen Master hier am Biozentrum zu machen.

Hattest du schon vorher Verbindungen zum Biozentrum?

In den ersten beiden Studienjahren hat man mit dem Biozentrum nicht so viel zu tun. Dafür kommt man im dritten Jahr des Bachelors sehr intensiv mit dem Institut in Kontakt, da man dann die Blockkurse zu unterschiedlichen Themen absolviert, die von verschiedenen Forschungsgruppen geleitet werden. 

Waren die Blockkurse eine Entscheidungshilfe, um herauszufinden, wo du den Master zu machen möchtest?

Ja, denn eigentlich hatte ich vor. meinen Master am Swiss TPH zu machen. Aber nach dem Mikrobiologie-Blockkurs, der von der Gruppe Jenal durchgeführt wurde, war ich so begeistert, dass ich mich entschlossen habe, mich in der Jenal-Gruppe zu bewerben. 

Hast du Urs Jenal dann direkt angesprochen oder bewirbt man sich offiziell um eine Masterstelle?

Am Ende von jedem Blockkurstag haben die Postdocs die verschiedenen Projekte der Forschungsgruppe vorgestellt. Und so ist schliesslich alles über die Postdocs gegangen. Das letzte Wort hat natürlich der Forschungsgruppenleiter, aber Urs Jenal lässt seinen Mitarbeitenden bei der Auswahl der Masterstudenten sehr viel Freiheit. Im Vorfeld habe ich dann alles mit meinen Tutoren, die den Blockkurs betreut haben und die mich dann ja auch schon kannten, abgesprochen. Nach ein paar Gesprächen war dann eigentlich schon alles abgemacht.

Wie bist du zum Thema deiner Masterarbeit gekommen?

Als Masterstudenten werden einem verschiedene Projekte vorgeschlagen und man kann sich dann je nach Interesse auswählen, welche Richtung man einschlägt. Innerhalb des Projektes hat man aber gewisse Freiheiten. Das ist aber sicherlich sehr gruppenabhängig. Manche Forschungsgruppenleiter geben zum Beispiel ein fixes Thema vor.

Wie unterscheidet sich das Forschen im Master zur Arbeit in den Blockkursen?

In den Blockkursen ist schon alles vorgegeben und alles funktioniert. Das ist, als ob du ein Rezept im Kochbuch nachkochst. Man weiss, was bei den Experimenten herauskommen soll. Innerhalb von einer Woche hat man einen Versuch von Anfang bis Ende durchgeführt. Wenn man seinen Master macht, ist das ganz anders. Ich habe gemerkt, dass man in einer Woche manchmal nur wenige oder auch gar keine Ergebnisse hat. In der Forschung braucht man oftmals Jahre bis Jahrzehnte um wissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten. Anderthalb Jahre für den Master sind im Vergleich dazu keine lange Zeit. Allein zum Einarbeiten braucht man schon zwei bis drei Monate, um herauszufinden, wo was steht, wie man die Versuche durchführt, wen man fragen kann und was man machen kann, wenn etwas nicht klappt. Man hat dann vielleicht noch ein knappes Jahr für die Masterarbeit. Die richtige Forschung ist viel komplizierter, als man in den Blockkursen mitbekommt. Für mich war der Übergang nicht so «straight forward».

Kannst du dich noch an deinen ersten Tag im Labor erinnern?

Oh, ich würde sagen, überfordert. Ich habe so viele Informationen bekommen. Die 96-well Plates sind in dem Schrank, die Pipetten in dem anderen, die Bakterienstämme sind im -80 °C Gefrierschrank tiefgefroren… Im Nachhinein ist alles ganz einfach, aber es hat schon ein Weilchen gedauert, sich an die Laborroutine zu gewöhnen. Und man muss sich trauen, immer wieder nachzufragen. Ich habe die Leute, glaube ich, eher mit meinen vielen Fragen gestresst (lacht). Jetzt ist es tipp topp, ich arbeite ziemlich selbstständig innerhalb meines Projektes und diskutiere viel mit meinen beiden Betreuern.

Woran forschst du in deinem Masterprojekt?

Ich untersuche die Toleranz- und Persistenzmechanismen von Krankheitserregern. Die meisten Patienten mit der Erbkrankheit zystische Fibrose, leiden sehr häufig an einer chronischen Lungenentzündung, die durch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa verursacht wird. Einer der Gründe, dass die Therapie bei den Patienten in diesem Stadium nicht mehr anschlägt, ist, dass die Bakterien die Antibiotika tolerieren und überleben. Dies aber nicht wegen einer Resistenz. Wir versuchen nun auf molekularer Ebene zu verstehen, warum manche Bakterien so eine Behandlung überleben und möchten wichtige Paramater für Toleranz und Persistenz herausarbeiten. Wenn man diese Überlebensstrategien besser beschreibt und definiert, so hilft das zukünftig auch den Ärzten, für ihre Patienten eine geeignete Behandlungsstrategie zu finden. 

Als Wissenschaftler braucht man auch Toleranz – gegenüber Frustrationen. Wie ist es für dich, mehr Lust oder mehr Frust?

Ja, dem kann ich voll zustimmen. Man arbeitet Wochen und Monate an einer kleinen Fragestellung und dann merkt man, oh, es geht in die falsche Richtung. Dann denkt man schon, jetzt habe ich gerade einen Monat «verschwendet». Für mich ist das ein Lernprozess, mit Frustrationen und Rückschlägen umzugehen. Meistens hilft da Sport machen oder am Wochenende einfach mal das Gehirn abschalten. Man muss eine neue Art von Geduld lernen.

Woher kommen bei dir die Ideen?

Bei mir persönlich kommen neue Ideen, wenn ich mit anderen diskutiere. Ich habe das Glück, dass ich mit einer Mitstudentin in der gleichen Forschungsgruppe arbeite und mit ihr die Resultate oder auch Schwierigkeiten besprechen kann. Daneben sind immer auch meine Betreuer wichtige Ideengeber. Und zu guter Letzt natürlich auch Urs Jenal, von dem bei den regelmässigen Besprechungen wichtige Inputs kommen. Alle zwei bis drei Monate muss man beim Labmeeting seine neusten Ergebnisse präsentieren und auch hier bringen mich die Fragen und Beiträge meiner Laborkollegen oft ein Stück weiter.

Hast du dich schnell in die Gruppe eingelebt?

Ich muss zugeben, ich habe eine fantastische Umgebung vorgefunden. Ich wurde gut aufgenommen und habe mich von Anfang an wohl gefühlt. Ab und zu unternehmen wir auch ausserhalb des Labors etwas zusammen, zum Beispiel gemeinsam am Abend am Rhein entspannen.

Bleibt während des Masterstudiums noch Zeit für den Ausgang?

Ja, die Zeit bleibt einem schon. Es kommt einfach darauf an, was man zu tun hat. Wenn ich in einer intensiven Projektphase stecke, geht das Abmachen natürlich weniger. Schon zu Bachelor-Zeiten und auch heute noch bin ich beinahe jedes Wochenende im Tessin, da ich dort noch Pfadileiter bin. Deshalb ziehe ich am Wochenende nicht so viel mit den Kollegen los. Aber hier in Basel hat es eine grosse Vielfalt von Angeboten. Mein Lieblingsort ist aber der Rhein. Erst kann man sich den Fluss heruntertreiben lassen und danach am Ufer noch etwas Essen oder Trinken. 

Wo siehst du deine Zukunft?

Mittelfristig könnte ich mir schon vorstellen in Basel zu bleiben. Aber es ist natürlich auch reizvoll nochmal ins Ausland zu gehen. Ich würde gerne noch einen PhD machen, aber derzeit ist noch alles offen.