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Interview mit Fabienne Estermann

Ein gutes Zeitmanagement ist für sie wichtig. Nicht nur, weil Fabienne Estermann, die im Labor von Prof. Urs Jenal in der Infektionsbiologie ihren Master macht, täglich mehr als zwei Stunden pendelt, sondern auch, weil sie sich nebst ihrem Studium auch noch in der Fachgruppe Biologie, für die Summer Research Academy für Gymnasiasten und in der Wissenschaftskommunikation engagiert.


Warum hast du dich für ein Studium der Molekularbiologie entschieden?
Schon in der Primarschule faszinierte mich die Pflanzen- und Tierbiologie. Im Gymnasium kam dann das Interesse für Chemie dazu und so war für mich schon zu Studienbeginn klar, dass ich in Richtung Molekularbiologie gehen werde.

Wie hast du deine Forschungsgruppe für deine Masterarbeit ausgesucht?
Für mich waren die Blockkurse im dritten Bachelorjahr extrem wichtig. Das ist der erste Moment, in dem man aus dem Hörsaal heraus und in direkten, persönlichen Kontakt mit den Forschenden kommt. Ich habe die ganzen Blockkurse hindurch mit ganz vielen Assistenten und Professoren geredet, um herauszufinden, was sie eigentlich in ihrem Alltag machen und mir auch etliche Labors angeschaut. Und so wurde es  schliesslich die Infektionsbiologie.

Wie bist du dann zu deinem Thema gekommen?
Quasi in der Gruppe. Im Gespräche mit den Assistierenden hat sich relativ schnell herausgestellt, wo es mich reinzieht und in welche Richtung es gehen könnte. Und dann habe ich mit meinem Betreuer geschaut, was meine Vorgängerin gemacht hatte und wo wir ansetzen könnten, um ein sinnvolles Projekt in dieser doch beschränkten Zeit durchzuführen. 

Und an was forscht du nun?
Ich arbeite mit Pseudomonas aeruginosa, einem Krankenhauskeim, der sich aufgrund seiner Resistenz gegen Antibiotika schnell verbreitet und von der WHO als einer der drei «Priorität kritischen» Pathogenen eingestuft wird, für die dringendst neuen Antibiotika benötigt werden. Ich untersuche, wie sich Pseudomonas auf Oberflächen verhält und wie er verschiedene Areale besiedelt, also ob er landet und dann gleich wieder geht, oder ob er bleibt und wie er diese Entscheidung trifft.

Wie kommst du mit deinen Experimenten voran?
Am Anfang ist man ziemlich überfordert, da alles neu ist und die Experimente eben nicht, wie in den Blockkursen, einfach funktionieren. Und so braucht man halt noch viel Hilfe. Aber je länger, desto freier wird man. Mein Betreuer Benoit Laventie vertraut mir mit der Zeit immer mehr und weiss, dass ich das mache, was ich machen soll. Und so habe ich auch angefangen, mir selbständig verschiedene Strategien für Experimente zu überlegen und sie dann mit Benoit zu besprechen.

Wo holst du dir die Ideen dafür?
Ich kriege sehr viel Input von meinen Kollegen, das ist echt cool. Zum einen sind da die wöchentlichen Labmeetings, wo alle in regelmässigen Abständen ihre Forschungsprojekte vorstellen, und dir dann eben die Postdocs und PhDs, die das schon länger machen, sagen, du sollt mal dies oder das versuchen. Auch mit meinen ehemaligen Bachelor Kollegen diskutiere ich immer noch viel. Der Austausch auf allen Ebenen ist extrem wichtig. Dann haben wir montags und mittwochs jeweils Seminar, abwechslungsweise mit Speaker, die aus der ganzen Welt kommen, und Leuten von unserem Stockwerk, also aus der Infektions- und Mikrobiologe. Ich lese auch viele Paper und natürlich gibt es auch noch die Vorlesungsreihen.

Wie wählst du deine Vorlesungen aus?
Nach dem Gesichtspunkt, was mir am meisten Spass macht und was ich persönlich gerade benötige.  Ich habe jetzt zum Beispiel einen Programmierkurse zur Datenverarbeitung gemacht, weil ich in der Mikroskopie schnell grosse Datensätze produziere. Das hilft mir extrem. Und in der Imaging Core Facility habe ich einen Mikroskopiekurs gemacht, einfach, weil es super ist, Sachen anzuschauen, die man sonst nicht sieht.

Wie ist die Arbeitsbelastung?
Für mich ist es ein normaler Job. Ich bin von 9 bis 18 Uhr hier. Da ich morgens und abends jeweils eine Stunde zwischen zu Hause und dem Biozentrum pendle, muss ich ein klares Zeitmanagement haben. Es kommt schon mal vor, dass ich an einem Sonntag komme, um meine Kulturen zu ziehen, damit ich am Montag mein Experiment machen kann. Aber das ist eher die Ausnahme. Das Credo in unserer Gruppe ist, dass man sich wohlfühlt und ausgeglichen ist, denn so arbeitet man definitiv besser.

Engagierst du dich auch noch anderweitig?
Seit drei Jahren bin ich in der Fachgruppe Biologie und dort für den Aufbau der Web-Site verantwortlich. Kürzlich habe ich angefangen, mich für Wissenschaftskommunikation zu interessieren und habe beim Exposure Sciences Film Hackethon mitgemacht. Es war eine unglaublich bereichernde Erfahrung zu lernen, wie weit man alles herunterbrechen und sich auf die Grundprinzipien konzentrieren muss, um die Wissenschaft einem breiten Publikum verständlich und zugänglich zu machen. Im Sommer helfe ich nun bei der Research Summer Academy, einem zweiwöchigen Kurs für Gymnasiasten mit. Ich habe schon öfter mit Jugendlichen zusammengearbeitet und das macht mir extrem Spass.

Hast du einen Tipp für angehende Masterstudierende?
Eigentlich zwei. Es ist extrem wichtig, das zu machen, was man gerne macht und nicht nur mit Blick auf den CV, sonst ist man nachher frustriert. Und man sollte unbedingt die Blockkurse nutzen, um mit möglichst vielen Leuten zu reden und herauszufinden, welche Fachrichtung die richtige ist, aber auch, ob es einem in einer bestimmten Gruppe gefällt. Schliesslich arbeitet man nachher anderthalb Jahre eng zusammen.

Hast du schon Pläne für die Zeit nach dem Master?
Im Moment bin ich daran, mir ein Praktikum in der Industrie zu suchen. Zwar fühle ich mich sehr wohl in meinem Job und habe auch vor, später einen PhD zu machen. Jetzt muss ich aber erst mal raus aus Schule und Akademie und rein in die Industrie, denn ich habe keine Ahnung, wie der Alltag eines Wissenschaftlers in der Industrie aussieht und das will ich im nächsten Jahr herausfinden.