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Interview mit Julian Dommann

Beim morgendlichen Joggen und abendlichen Boxen prescht er vor. Entscheidungen zu seiner Laufbahn lässt er hingegen langsam reifen. Für Julian Dommann gibt es von der Forschung, über das Lehramt bis hin zur Beratung viele spannende Perspektiven. Bevor er sie nicht genauer kennen gelernt hat, lässt er sich alle Türen offen. 


Warum hast du dich für ein Biologiestudium entschieden?

Ich wusste lange nicht, was ich studieren möchte und hatte mich ursprünglich an der ETH für Maschinenbau eingeschrieben. Im Militär erzählte mir dann aber ein Kumpel von seinen Plänen am Biozentrum Biologie zu studieren. Darauf habe ich mich im letzten Moment umentschieden, weil mir klar wurde, dass das einzige Fach, das mir im Gym rundum gefallen hat, egal was wir gerade durchgenommen haben, die Biologie war.

Und war von Anfang klar, dass es in Richtung Molekularbiologie gehen wird?
Nein, bei mir sind die Dinge, wie bei der Studienwahl, selten von Anfang an klar. Ich wusste ja nicht einmal, dass man hier in der Biologie unterschiedliche Richtungen einschlagen kann (lacht). Aber es hat sich dann bald gezeigt, dass mir die Molekularbiologie an und für sich am besten gefällt. Und ich denke auch, dass sie mir mehr Möglichkeiten bietet. Im Moment möchte ich mir noch alle Türen offenhalten und erst, wenn ich noch weiter eingetaucht bin, entscheiden, ob es eher in Richtung Forschung geht oder ich vielleicht Gymlehrer werden sollte.

Im dritte Studienjahr besuchst du vier Blockkurs. Wie sieht dein Alltag aus?
Ich bin jetzt im Blockkurs Mikrobiologie und Immunologie. Zuvor habe ich schon die Blockkurse Strukturbiologie und Biochemie besucht und obwohl wir auch schon im Letzten sechs Wochen im Labor verbracht haben, mache ich jetzt gerade wieder ganz viel Neues, was ich zuvor noch nie gemacht habe. Ich denke, da kommt gerade noch einiges auf uns zu. Meist starten wir morgens mit einer etwa zweistündigen Vorlesung. Der Rest des Tages dreht sich dann rund ums Labor, sei es, dass wir gerade Experimente durchführen, Instruktionen für die nächsten erhalten oder Auswertungen analysieren.

Was gefällt dir am besten an den Blockkursen?
Eigentlich sind es zwei Sachen. Zum einen, dass das dritte Jahr viel praktischer ist, als die ersten beiden. Ich höre nicht so gerne lange zu. Also ist es für mich super, dass die Vorlesungen weniger Zeit einnehmen und wir selbst etwas im Labor machen können. Natürlich ist es noch nicht ganz so, wie in der Forschung, wo man ja zu Beginn eines Experiments noch nicht weiss, was dabei rauskommt. Um die Laborarbeit zu erlernen, folgen wir sozusagen einem Rezept und wenn nicht rauskommt, was rauskommen sollte, wissen die Tutoren natürlich an was es liegt. Trotzdem ist es ein riesiger Schritte vom Experimente in einer Vorlesung erklärt zu bekommen zu selbst Hand anzulegen.

Zum anderen ist es auch die kameradschaftliche Stimmung. Die ersten zwei Jahre waren viel anonymer. Jetzt ist es echt wieder wie am Gymnasium. Wir sind 36, also eine relativ grosse «Schulklasse», und haben einen tollen Zusammenhalt. Häufig essen wir zusammen Mittag, am Freitagabend bleiben viele noch etwas hier, manchmal gehen wir einfach noch etwas trinken, andere Male in den Ausgang. Am Ende des Biochemie Blockkurs ist fast die ganze Gruppe spontan zusammen Schlittenfahren gegangen. Das sind Sachen, die mega verbinden.

Hast du vor, nach dem Bachelor einen Master zu machen und hat sich schon ein Thema herauskristallisiert?
Unbedingt. Bezüglich Thema bin ich noch etwas im Klinsch (lacht). Im dritten Jahr haben wir jede Woche einen anderen Professor und sie nehmen sich am Anfang der Vorlesung jeweils Zeit, uns kurz zu erklären, an was sie forschen. Und so weiss man mit der Zeit, was die verschiedenen Gruppen machen. Am Biozentrum gefällt mir sehr gut, dass man für den Master 12 Monate im Labor arbeitet und so wirklich Zeit hat, in ein Forschungsthema einzutauchen und das Projekt auch abzuschliessen. Aber ich fände es natürlich auch spannend, meinen Master zum Beispiel an der ETH oder am Departement Biomedizin zu machen, einfach, um noch andere Forschungsinstitute kennenzulernen.

Du arbeitest gerne praktisch. Würde dich ein Praktikum interessieren?
Ich habe die Möglichkeit im Rahmen meines Zivildienstes ein halbes Jahr im Labor am Swiss TPH zu arbeiten und werde dafür nach diesem Blockkurs mein Studium unterbrechen. Gerade heute habe ich mit einem Kollegen gesprochen, der ebenfalls ein Praktikum gemacht hat, und es echt cool fand, wirklich in der Forschung mitarbeiten zu können.

Zurück zu den Anfängen. Wie war der Einstieg ins Studium?
Grundsätzlich kriegt man zu Beginn einen Götti oder eine Gotte, also Studierende aus einem höheren Semester, zur Seite gestellt, an die man sich bei Fragen wenden kann. Ich habe auch schon zwei Göttikinder. Zu Beginn habe ich meinen Götti wegen einigen Tipps zu den Wahlfächern angeschrieben. Aber ich habe das Angebot wenig genutzt, einfach, weil mein Kollege jemanden aus einem höheren Semester kannte und die Informationen sozusagen von selbst zu mir flossen. Und dann muss auch jeder selbst ein bisschen herausfinden, was ihm am meisten hilft. Mathematik war zum Beispiel recht anspruchsvoll. Aber es gibt viele Wege es zu schaffen. Bei mir war es zum Beispiel das Tutorat. Ich habe häufig erst dort verstanden, was wir eigentlich in der Vorlesung durchgenommen haben.

Hast du neben dem Studium auch noch Zeit für ein Hobby oder ein Job?
Ich bin Jungwacht Leiter, arbeite als Canon-Promoter und am Wochenende in einer Pizzeria. Und Ich mache mega gerne Sport, eigentlich zwei Mal pro Tag. Ich gehe jeden Morgen vor der Uni Joggen und am Abend boxen oder ins Fitness an der Uni. Falls ich mich entscheiden würde Gymlehrer zu werden, würde ich als zweites Studienfach noch Sport dazu nehmen. Da das dritte Studienjahr von den Anwesenheitszeiten schon strenger ist, wir sind jeweils von 8 Uhr morgens bis etwa 6 Uhr abends in den Blockkursen, bin ich nun nach Basel gezogen, um das alles noch unter einen Hut zu bekommen. Vorher bin ich von Luzern hierher gependelt.

Hast du einen Tipp für andere Studierende?
Ich habe mir am Anfang den Stress etwas selbst gemacht, sei es beim Belegen oder anderen Entscheidungen. Inzwischen nehme ich mir mehr Zeit, gerade auch, wenn es darum geht, welche berufliche Richtung ich einschlagen möchte. Ich bin ja erst im dritten Jahr. Um zu entscheiden, ob ich in die Forschung möchte, muss ich sie ja zuerst mal richtig kennenlernen. Oder ich habe gerade von einer Kombination mit einem Wirtschaftsingenieurstudium gehört. Das würde dann den Weg als Berater in einer Pharmafirma bereiten. Es gibt also viele spannende Möglichkeiten.