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Ein Schweizer Globetrotter

Er ist Forscher, Firmengründer, Unternehmer und heute CEO der Biotechfirma Cytos. Lebt in der Schweiz, den Vereinigten Staaten und Deutschland. Biozentrum Alumnus Christian Itin führt das Leben eines Globetrotters. ALUMNInews interessierte sich dafür, ob und wie er dennoch mit Basel und dem Biozentrum verbunden blieb.

Sie sind beruflich sehr viel unterwegs. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Der Ort, wo man aufwächst prägt einen natürlich stark und viele Werte nimmt man auch mit auf den Weg. Ein wesentlicher Teil dessen was Heimat letztlich ausmacht, sind Familie und Freunde, die man auf dem Weg kennenlernt. Insofern fühle ich mich ein Stück weit zu Hause, wenn ich in Kalifornien bin und genauso geht es mir in München und hier in Zürich.

Warum sind Sie so viel unterwegs?

Die Biotechnologie-Branche ist sehr international. Die Leute, mit denen wir zusammenarbeiten und Ideen austauschen, sind weltweit verteilt. So befinden sich viele erstklassige Forschungs- und Entwicklungszentren in den USA und auch die Dichte der Investoren ist dort besonders hoch.

Was macht die Biotechfirma Cytos und was sind dort Ihre Aufgaben als CEO?

Das Produkt an dem wir bei Cytos arbeiten, entwickeln wir für Patienten mit allergischem Asthma. Mit einem immunologischen Ansatz wollen wir Patienten helfen, ihr Asthma zu kontrollieren. Als CEO dieser kleinen Biotechfirma bin ich noch sehr stark mit den Projekten verbunden. Etwas vom Spannendsten für mich ist es, mich über viele Ebenen hinweg bewegen zu können – von der reinen Grundlagenforschung querbeet rüber bis zu Finanzierung und Firmenstrategie.

Wie sieht Ihr Alltag aus?

Einen Alltag im eigentlichen Sinne kenne ich nicht. Die Frage, die ich mir jeden Tag stellen muss, ist vielmehr: Was kann ich heute tun um den Erfolg des Unternehmens zu gewährleisten?

Was braucht es um eine Firma zu führen? Wo lernt man das?

Es gibt ein paar einfache, aber wichtige Dinge. Als Führungsperson muss man den Fokus der Firma festlegen – in unserer Branche ist das meist die Entwicklung von innovativen neuen Medikamenten. Neue Wirkmechanismen bergen viel Unbekanntes. Es ist deshalb wichtig mit neuen Fakten - häufig sind das neue experimentelle, oder klinische Daten - die Ziele zu überprüfen und wenn sinnvoll anzupassen. Wissenschaftliche Exzellenz ist dabei eine notwendige Voraussetzung. Neben diesen rationalen Punkten, dürfen Sie nicht vergessen, dass Sie nicht nur über Ziele führen, sondern genauso durch die Art und Weise wie sie persönlich innerhalb der Firma interagieren und arbeiten. Erfolgreiche Forschung und Entwicklung lebt von Teamarbeit. In den Teams von einander zu lernen, macht grossen Spass und ist notwendig um letzlich erfolgreich zu sein.

Was verbindet Sie noch mit der Forschung?

Viel, Forschung ist die Grundlage für unsere Projekte. Das Produkt ist komplett bei Cytos entstanden. Wir haben die biologischen Grundlagen und Mechanismen hier im Labor erforscht. Im Moment sind wir im Stadium der klinischen Erprobung. Das Team ist heute ein Entwicklungsteam und es wird etwas weniger geforscht. Bei Micromet, wo ich zuvor arbeitete, hatten wir ein integriertes Forschungs-und Entwicklungsteam. Wir hatten eine neue Art von therapeutischen Antikörpern zur Behandlung von verschiedenen Krebsarten entwickelt. Dabei legten wir den gesamten Weg von der Beschreibung eines neuen Wirkprinzips bis hin zur Durchführung erfolgreicher klinischer Studien zurück. Zum Zeitpunkt der Übernahme durch Amgen im letzten Jahr waren wir von einem kleinen deutschen zu einem US-Unternehmen mit 240 Mitarbeiter in München und in Rockville in den USA gewachsen.

Woran haben Sie am Biozentrum geforscht?

Ich habe Anfang der neunziger Jahre in der Abteilung für Pharmakologie in Hans-Peter Hauris Gruppe promoviert. Dort habe ich an der Erforschung des frühen Sekretionsweges zwischen endoplasmatischen Retikulum und Golgi-Apparat mitgearbeitet.

Warum haben Sie nach Ihrem Postdoc den Weg in die Industrie gewählt?

Ich habe mir lange überlegt, ob ich eine akademische Karriere einschlagen soll. Ein eigenes Unternehmen aufzubauen hat mich jedoch mehr fasziniert. Das unternehmerische Umfeld im Silicon Valley hat meine Entscheidung sicher noch unterstützt. Ich realisierte, was ich auf diesem Weg lernen könnte, würde ich nirgendwo sonst lernen…

… deshalb gründeten Sie vor etwa 15 Jahren die Firma Zyomyx in Kalifornien?

Die Proteinchip-Firma habe ich zusammen mit drei anderen Postdoc’s 1998 gegründet. Das war eine unglaubliche Lernerfahrung. Als wir gestartet sind hatten wir keine relevante Erfahrung. Die Lernkurve war steil. Innert kurzer Zeit bekamen wir in der San Francisco Bay Area zu vielen Leuten Zugang, die erfolgreich Biotech-Firmen aufgebaut haben. Das war unglaublich wichtig und hilfreich.

Wie hat sich die Firma entwickelt und warum haben Sie Zyomyx verlassen?

Wir haben die Firma gegründet, um Proteinchips herzustellen, die es damals noch nicht gab. Die Firma hat sich dann in Richtung Nachweisverfahren und Service entwickelt. Mein persönliches Interesse lag jedoch mehr daran in der Medikamentenforschung zu arbeiten. Über den Chief Scientist bin ich dann Ende 1999 zu Micromet gekommen.

Wie geradlinig ist Ihre Karriere verlaufen?

Im Rückblick sieht eine Karriere meist geradlinig aus, ich kann Ihnen aber versichern, ich hatte keinen Masterplan. Wichtig war die Augen für Opportunities offen zu halten. Das was ich wusste war, dass ich eine Firma aufbauen und selbst gestalten wollte - ein Umfeld für Innovation schaffen.

Was für Rückschläge mussten Sie in Ihrer Karriere in Kauf nehmen?

Auch wenn das Biotechgeschäft insgesamt erfolgreich ist, gibt es doch viele Rückschläge. Forschung und Entwicklung sind sehr komplex und permanent geht irgendetwas nicht so, wie sie es sich gedacht haben. Mit diesen Situationen muss man lernen umzugehen. Fokusieren sie sich auf die Daten und was sie aussagen. Wichtig ist, man darf sein Ziel auch in schwierigen Situationen nicht aus den Augen verlieren und man muss gemeinsam mit dem Team die Probleme lösen.

Was bedeutete die Zeit am Biozentrum für Ihre Karriere?

Es gab einen sehr hohen Anspruch an wissenschaftliche Qualität. Dieser Anspruch war von zentraler Bedeutung. Denn er führte dazu, dass grundlegende Fragen gestellt und angegangen wurden. Das Biozentrum war auch damals schon sehr international was für mich eine grosse Bereicherung war.

Haben Sie den Kontakt zum Biozentrum beziehungsweise zu Ehemaligen bewahrt?

Hin und wieder habe ich andere Biozentrum Alumni auf Konferenzen getroffen. Ab und an habe ich am Biozentrum Verträge gehalten. Mit meinem Doktorvater hatte ich regelmässigen Kontakt über die Jahre. Eine Biozentrum Alumni Organisation aufzubauen halte ich für eine sehr gute Idee. Sie kann sich zu einer wichtigen Netzwerk-Plattform für neue und ehemalige Studenten entwickeln.

Gibt es eine besondere Anekdote aus Ihrer Zeit am Biozentrum, an die Sie sich gerne erinnern?

Ich glaube es war zur 25 Jahr Feier, als das ganze Department gemeinsam einen Rap aufgeführt hat. Das war ziemlich cool und hat allen sehr viel Spass gemacht.

Lebenslauf
Biozentrum Alumnus Christian Itin ist seit November 2012 CEO der Biotechfirma Cytos mit Sitz in Schlieren (CH). Nach seinem Studium der Biologie an der Universität Basel promovierte er am Biozentrum in der Abteilung Pharmakologie unter Leitung von Prof. Hauri. Nach einem Postdoc am Biozentrum und am Department of Biochemistry der Universität Stanford (USA) gründete er die Firma Zyomyx mit. Im Jahr 1999 wechselte er zu Micromet (DE/USA), war dort in verschiedenen Managementfunktionen und leitete die Firma als CEO von 2004 bis zur Aquisition der Firma durch Amgen in 2012. Der gebürtige Baselbieter lebt zurzeit als Wochenaufenthalter in Zürich, sein Familienwohnsitz befindet sich in München (DE).