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Patentanwältin mit Leib und Seele

Schon vor ihrem Studium wusste Isabelle Schubert, wohin ihr beruflicher Weg führen soll. Spricht man sie auf eben diesen Beruf an, strahlt sie. Ihre Arbeit als Patentanwältin macht ihr nicht nur riesen Spass, sondern hält sie auch auf Trab, heisst es doch, ständig mit den Entwicklungen in Wissenschaft, Rechtsprechung und Business Schritt zu halten. Doch nicht nur geistig hält sich die Yoga begeisterte Joggerin und Reiterin fit.  

Sie sind Patentanwältin. Welcher Weg führt dorthin?

Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Studium in Natur- oder Ingenieurwissenschaften. Darauf folgt eine dreijährige praktische Ausbildung in einer Patentanwaltskanzlei, der Industrie oder auf dem europäischen Patentamt und schliesslich die ziemlich taffe Abschlussprüfung ‒ gerade mal 30% bestehen sie. Daher gibt es uns nicht wie Sand am Meer. (lacht) Doch die hohe Durchfallrate ist nicht der einzige Grund. Viele können sich gar nicht vorstelle, wie spannend dieser Beruf ist. 

Und wie sind Sie darauf gekommen?

Auf ziemlich direktem Weg. Die meisten stossen nach ihrem naturwissenschaftlichen Studium eher zufällig auf diesen Beruf. Bei mir war schon, als ich das Biologiestudium am Biozentrum begann, klar, dass dies mein Ziel war. Zwar hatte ich ursprünglich internationales Recht studieren wollen. Aber wie das Leben eben manchmal so spielt, zog es mich nach einem Jahr Kanada nicht an den entsprechenden Studienplatz in Fribourg, sondern zurück nach Basel, wo ich sozusagen in die Fussstapfen meines Stiefvaters trat, der mich auf diese ebenfalls sehr international ausgerichtete Möglichkeit brachte. 

Was fasziniert Sie an Ihrem Job?

Die Vielseitigkeit und dass ich mich ständig weiterentwickeln kann.  Einerseits muss ich am Puls der Wissenschaft bleiben, um die Erfindungen verstehen, analysieren und herauskristallisieren zu können, was wirklich neu, industriell anwendbar und grundsätzlich patentierbar ist. Aber auch die Rechtsprechung entwickelt sich weiter. Als Patentanwältin hat man zudem einen extrem guten Einblick in eine Firma und mit zahlreichen Berufssparten auf allen Ebenen zu tun. Bei einem neuen Patent sind unsere ersten Gesprächspartner Wissenschafter oder Mediziner aus der Forschung und Entwicklung. Wenn sich das Patent eines Blockbuster-Medikaments seinem Ende zuneigt, kommt die Geschäftsleitung ins Spiel. Aber auch mit den Mitarbeitenden aus Marketing, Regulatory Affairs, der Rechts- oder der Lizenzabteilung pflege ich einen regen Austausch. Und das Schöne ist eigentlich, dass man von Jahr zu Jahr besser wird und mit der Zeit auch etwas an die jüngeren Kollegen weitergeben kann. 

Trotzdem, nach 20 Jahren bei Novartis, kommt da nicht auch mal Lust auf etwas Neues auf?

Ehrlich gesagt, es bleibt ständig neu. Gerade im Mai habe ich wieder einen neuen Job angefangen und in den ersten 15 Jahren habe ich intern etwa alle zwei Jahre gewechselt, auch was die Wissenschaftsgebiete anbelangt. Angefangen habe ich bei den Farbstoffen, dann war ich im Bereich Saatgutschutz tätig, dann in der Ernährung und schliesslich in der Pharma. Zwischenzeitlich wechselte ich auch in den Bereich  Patentstreitklagen,  übernahm Aufgaben im Finanzbereich und tauchte in den Bereich Life Cycle Management ein. 

Entpuppt sich das eine oder andere Patent auch schon mal als totale Überraschung? 

Das sollte es möglichst nicht (lacht). Unser Ziel ist es, eine neue Erfindung und die Entwicklung der Rechtsprechung möglichst genau vorherzusehen. Je innovativer und einzigartiger eine Erfindung ist, desto einfacher ist es, das Patent bis zum letzten Tag durchzusetzen, denn kaum jemand wird versuchen, dieses anzufechten. Es gibt aber natürlich auch Erfindungen, deren Stand der Technik nicht so weit von bereits Dagewesenem liegt. In solchen Fällen kann es durchaus vorkommen, dass schliesslich vor Gericht verhandelt werden muss, ob die Erfindung Patentschutz erhält oder von anderen imitiert werden darf. Dann wird es nochmals spannend für uns. Fällt der Entscheid am Ende zu unseren Gunsten aus, freuen wir uns im Team natürlich riesig, denn einerseits wird unsere Einschätzung bestätigt, andererseits hängt natürlich viel Geld daran. 

Dieser Beruf ist sicher auch mit relativ viel Zeitdruck verbunden. Wie gehen Sie mit Stress um?

Ich denke, dass sich generell in vielen Berufen das Tempo extrem verschärft hat. Ich schaue einfach ganz bewusst, dass ich auch immer wieder abschalte. Ausgleich finde ich in der Freizeit beim Joggen, Yoga, Meditation oder beim Ausreiten und natürlich mit meiner Familie.  Und auch während der Arbeit lege ich immer wieder mal eine kurze Pause ein, sonst komme ich zu gestresst nach Hause und das möchte ich meiner Familie nicht zumuten. 

Stichwort Familie. Sie haben zwei Töchter. Wie kriegen Sie Ihr grosses berufliches Engagement und die Familie unter einen Hut?

Ich habe das grosse Glück, dass Teilzeitarbeit immer möglich war. Als unsere erste Tochter zur Welt kam, haben ich und später auch mein Mann beide auf 80% reduziert und uns mit unserem Freitag abgewechselt, sodass wir nur drei Tage Fremdbetreuung brauchten. Als dann die zweite Tochter kam, habe ich vorübergehend nur noch 60 % gearbeitet. Jetzt, da die Mädchen 13 und 17 Jahre alt sind, arbeite ich wieder 100%, davon allerdings einen Tag Homeoffice. Klar, muss man auch gewisse Abstriche machen, wenn man nicht Vollzeitmutter ist und so sind selbstgebackene Kuchen zum Beispiel eher eine Seltenheit bei mir. Aber wir haben je nach Alter der Kinder immer eine gute Lösung gefunden, sei es bei einer Tagesmutter, in der Kinderkrippe oder bis vor kurzem mit einer Haushälterin. Und natürlich kommt man in den verschiedenen Phasen auch immer wieder mal an den Anschlag. Dann heisst es,  Energie tanken.

Ein Teil Ihrer Mitarbeitenden sitzt nicht einfach Tür an Tür mit Ihnen, sondern auf anderen Kontinenten. Verlangt das für Sie als Vorgesetzte eine besondere Herangehensweise?

Wir haben heute zahlreiche Tools, die die Kommunikation vereinfachen. Neben regelmässigen Telefongesprächen tauschen wir uns über eine Art „Skype“ und eine Chatfunktion aus. Ausserdem  können wir den Computerbildschirm teilen und am gleichen Dokument arbeiten. Das macht aus den Mitarbeitenden aber noch nicht einfach ein Team. Gerade vergangene Woche haben wir zwei Tage dem Teambuilding per Video gewidmet. Und man muss sich bewusst sein, dass ein Teil der Botschaften verloren gehen kann.  Bei Telefonkonferenzen muss ich schon mal sagen, also hier im Raum nicken alle.  

Was ist Ihnen vom Biozentrum nebst dem Fachwissen geblieben? 


Hautsächlich sind es die Freundschaften, die mich begleitet haben. Ich habe immer noch Kontakt mit Kollegen aus dem Labor und auch mit einigen aus dem Studium treffe ich mich hin und wieder. Auch hier bei Novartis stolpere ich wieder über bekannte Gesichter aus jener Zeit.  


Lebenslauf
Isabelle Schubert hat 1989 mit einem Master in Molekularbiologie am Biozentrum abgeschlossen. Danach ging sie für ein Jahr an das «Venezuelan Institute for Scientific Research» in der Nähe von Caracas und kehrte sodann für ein weiteres Jahr ans Biozentrum zurück. Es folgte ein zweieinhalb jähriges Praktikum in der Patentanwaltskanzlei A. Kerr & Co. in der Region Basel.  1993 zertifizierte sie sich an der Universität London in Recht am geistigen Eigentum und erlangte 1995 die Qualifikation als europäische Patentanwältin. Seit über 20 Jahren ist Isabelle Schubert für Novartis tätig und hat seither verschiedene internationale Patentanwälteteams mit Mitarbeitenden in den USA, Grossbritannien, China, Indien und Basel geleitet.