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Brückenbauer zwischen Kulturen

Zwischen Kulturen vermitteln, das ist für Mathis Brauchbar nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern auch Hauptmerkmal seines Berufs. Denn als Mitbegründer und Partner der Kommunikationsagentur «advocacy AG» bringt er verschiedenste Interessensgruppen an einen Tisch. 

Sie sind einer von fünf Inhabern der Kommunikations-Agentur «advocacy». Was sind Ihre Aufgaben?

«advocacy» ist eigentlich mehr eine Themen-, denn eine Kommunkationsagentur. Dabei haben wir uns auf verschiedene Bereiche wie Forschung, Bildung, Gesundheit, Life Sciences, aber auch Sozialversicherungswesen und Raumplanung spezialisiert. Mein spezieller Aufgabenbereich liegt an der Schnittstelle zwischen Gesundheitswesen und Forschung. Zu meinen Kunden gehören zum Beispiel der Schweizerische Nationalfond (SNF), die Krebsforschung Schweiz oder auch das Bundesamt für Gesundheit. Mein Arbeitsalltag besteht unter anderem darin, unsere Kunden zu Fragen rund um die Public Affairs zu beraten, Kommunikationsstrategien zu entwickeln oder bei einer Neupositionierung und im Change Management zu unterstützen. Ich bin häufig unterwegs, da ich an circa zwei bis drei Tagen bei den Kunden vor Ort arbeite; in Genf, Lausanne oder wo auch immer sie sitzen. Die restlichen Tage bin ich entweder in unserem Büro in Zürich oder in Basel und bearbeite mit den Teams die gerade anstehenden Projekte. 

Was war eines Ihrer spannendsten Projekte?

Für mich sind diejenigen Projekte am interessantesten, bei denen man verschiedene Interessensgruppen an einen Tisch bringen oder unterschiedlichste Kommunikationsformen miteinander verbinden muss. Eines der spannendsten Projekte war sicherlich der Novartis-EXPO-Pavillon „Biopolis“ im Jahr 2002. Dort gab es völlig verschiedene Vorstellungen seitens der Novartis als Sponsor und der EXPO-Organisation. Gerade zwischen der managementgetriebenen Pharmakultur und der Kulturwirtschaft divergieren die Herangehensweisen oder Verständnismuster sehr. Wir sehen uns da in der Rolle eines Mediators, der die Übersetzungsarbeit leistet. Solche Projekte mit Konfliktpotenzial habe ich recht häufig. Sie zu begleiten und gemeinsam etwas Sinnvolles zu schaffen, macht mir sehr viel Spass. Momentan bin ich zum Beispiel in das Nationalen Forschungsprogramm 67 des SNF involviert, das sich mit dem Lebensende auseinandersetzt. Das beinhaltet schwierige und umstrittene Themen wie Sterbehilfe, Palliative Care oder Patientenverfügungen. 

Wie ist Ihnen das Studium am Biozentrum in Erinnerung geblieben? 

Was mir am Biozentrum in den 1980er Jahren sehr gefiel, war die offene und gelebte Internationalität. Ich hatte zuvor Philosophie studiert, und zwar zu einer Zeit, als alles noch nach alter Schule lief. Der Professor ex cathedra, alles steif und klein. Von dort ans Biozentrum zu wechseln, war ein extremer Kulturwandel. Mir hat die Kultur am Biozentrum viel mehr entsprochen. Ich kann mich noch sehr genau an den ersten Tag erinnern. Ich fragte jemanden, der gerade vorbei ging, nach dem Hörsaal für die Einführungsvorlesung. Und wegen seiner lockeren Antwort dachte ich mir: Ok, hier duzt man sich und redet Englisch. Als der Professor dann hereinkam, es war Howard Riezmann, erkannte ich gleich, dass er es war, den ich kurz vorher auf dem Gang angehauen hatte. Dass hochkarätige Wissenschaftler wie Walter Gehring, Gottfried Schatz oder Werner Arber am Institut tätig waren und dass das Biozentrum eines der Top-Institute in Europa ist, hat man aber auch gespürt. Das hat motiviert und man ist auch ein bisschen stolz gewesen, sagen zu können, dass man hier studiert. 

Warum haben Sie von der Philosophie zur Biologie gewechselt? 

In den 1980er Jahren kam mit den neuen gentechnischen Möglichkeiten die biomedizinische Ethik gerade erst auf. Ich wollte schon damals den Weg in die Bioethik einschlagen. Also habe ich im nach zwei Jahren Philosophie Biologie II studiert, nicht um Forscher zu werden, sondern um dieses Fachwissen zu erlangen. Schon während des Studiums habe ich dann angefangen, für Studentenzeitungen über bioethische Themen zu schreiben. Später habe ich als freier Mitarbeiter für die Basler Zeitung und den Tagesanzeiger gearbeitet. Und so kam eins zum anderen. Der Einstieg war damals relativ einfach, weil es noch nicht so viele Wissenschaftsjournalisten gab, die molekularbiologisches Basiswissen mitbrachten. 1989 fragte mich schliesslich mein damaliger Redaktor vom Tages-Anzeiger, der gerade ein Journalistenbüro gegründet hatte, ob ich nicht Lust hätte mitzumachen. Praktisch am Tag der Abgabe meiner Diplomarbeit habe ich bei ihm angefangen.  

Haben Sie auch schon Projekte für das Biozentrum gemacht?

Ja, ich habe für eine Jubiläumsveranstaltung ein Porträt vom Biozentrum erstellt und da vor allem mit Joachim Seelig zusammengearbeitet. Auch für Werner Arber habe ich hin und wieder geschrieben, zum Beispiel als er von der OECD für einen Bericht zur Zukunft der Biotechnologie im 21. Jahrhundert angefragt wurde. An das Biozentrum in einer ganz anderen Rolle zurückzukommen, in das Haus, das für mich als Student mit Freude und Leid verbunden ist, hinterlässt schon ein merkwürdiges Gefühl.

Apropos Freude, welche Anekdote bringt dich denn heute noch zum Schmunzeln?

Lustig war, als Walter Gehring anfangs zu uns sagte, dass er nur die Besten für eine Diplomarbeit nähme und er bei uns im Kurs niemanden sähe (lacht). Gut, dachten wir, jetzt wissen wir woran wir sind. Nachdem sich aber niemand bei ihm gemeldet hatte, wurde Markus Affolter, damals noch Oberassistent, losgeschickt, ob nicht vielleicht doch jemand bei Walter Gehring sein Diplom machen möchte. Aber da hatten wir schon alle unsere Plätze.

Noch einmal zurück zur Arbeit. Was hat sich in den letzten 25 Jahren in der Kommunikationslandschaft verändert?

Für uns als Agentur sind die Veränderungen nicht so fundamental, da unser Kerngeschäft die Beratung ist. Was sich in den letzten Jahren aber massiv geändert hat, ist der Einsatz der digitalen Medien. Da müssen wir immer up-to-date bleiben. So kann es sein, dass wir grosse digitale Projekte haben, bei denen wir nicht die Kompetenz zur Umsetzung haben. Dennoch müssen wir schon vorher genau wissen, wie es aussehen soll. Als Beratungsagentur sollten wir unseren Kunden natürlich die verschiedensten Möglichkeiten aufzeigen können, auch ganz Neues. Vor etwa dreissig Jahren war das Königsprodukt noch die Broschüre, das ist nun mehr oder weniger vorbei. Heute geht es um integrierte Ansätze. Und was sich natürlich auch verändert hat, nicht nur bei uns in der Kommunikation, ist das Arbeitstempo. Das Projektmanagement über digitale Kanäle, die Kommunikation via E-Mail, die Erreichbarkeit rund um die Uhr macht alles viel schneller und dichter. Und heute braucht es Feedback von vielen Beteiligten, man muss viel mehr abstimmen. Dadurch haben sich auch die Kosten verschoben. Früher hat man für das Layout und den Druck einer Broschüre sehr viel Geld ausgegeben. Heute kostet das vielleicht noch die Hälfte. Zum Teil wird gar nichts mehr gedruckt, sondern nur noch online publiziert. Es sind also ganze Produktionsteile einfach weggefallen. Dafür sind die Kosten für unsere Leistungen eher gestiegen.

Hat man als Selbstständiger überhaupt noch ein Privatleben?

Na, das will ich doch stark hoffen! (lacht) Ich denke, wenn man auf die Art selbstständig ist, wie ich es bin, ist die Grenzziehung zwischen Arbeit und Hobby sehr schwierig. Als Angestellter in einem Büro, kann man sich sicherlich einfacher abgrenzen. Ich arbeite natürlich auch viel von zu Hause aus, vor allem wegen meiner Familie. Und wenn ich Bücher lesen, dann interessieren sie mich oft auch im beruflichen Kontext. In dem Sinne sind Arbeit, Hobby und Familie eng miteinander verwoben.


Lebenslauf

Mathis Brauchbar ist einer von fünf Partnern der Kommunikationsagentur advocacy AG. In den 1980er Jahre studierte er an der Universität Basel zunächst Philosophie und anschliessend Molekularbiologie am Biozentrum. Bereits während seiner Studienzeit schrieb er als freier Wissenschaftsjournalist für verschiedene Zeitungen wie den Tages-Anzeiger oder die Basler Zeitung. Nach seinem Abschluss als Diplombiologe machte er sein Hobby zum Beruf. Im Jahr 1990 gründete er bereits die erste Kommunikationsagentur mit, aus der zwölf Jahre später die heutige advocacy AG mit Sitz in Zürich und Basel hervorging. 2008 gründete er mit anderen das Wissenschafts-Beratungsunternehmen evalueSCIENCE AG. Mathis Brauchbar betätigt sich vor allem als Kommunikations-, Strategie- und Politikberater im Gesundheitswesen, in der Forschung und im Bildungswesen.