Prof. Fiona Doetsch, Neurobiologin und Stammzellforscherin am Biozentrum der Universität Basel, erhält den Louis-Jeantet-Preis für Medizin 2026. Ausgezeichnet wird sie für ihre bahnbrechende Forschung rund um die Identität und Funktionsweise neuraler Stammzellen im Gehirn von erwachsenen Säugetieren. Unter anderem hat sie aufgedeckt, wie diese zur lebenslangen Anpassungsfähigkeit des Gehirns beitragen. Doetschs Studien zeigen, dass die Stammzellen in der Lage sind, als Reaktion auf innere und äussere Signale dynamisch neue Neuronen und Gliazellen zu bilden – ein Hinweis auf ein bislang unerkanntes Mass an Plastizität im Gehirn.
Der Louis-Jeantet-Preis geht mit einem Preisgeld von 500’000 Schweizer Franken einher und soll die Forschung weiter vorantreiben.
Forschungsarbeit von Fiona Doetsch: Stammzellen und Gehirnplastizität
Lange galt die Annahme, dass Säugetiere kurz nach der Geburt keine neuen Neuronen mehr bilden. Doetsch identifizierte neuronale Stammzellen, die im erwachsenen Gehirn fortbestehen, und zeigte, wie sie durch weitreichende physiologische Signale orchestriert werden, um auf veränderte Bedingungen zu reagieren.
Die meisten dieser Stammzellen befinden sich in einem Ruhezustand, sind jedoch äusserst sensibel gegenüber Signalen aus ihrer Umgebung. Die Forschungsgruppe von Doetsch hat ein Netzwerk von Kontrollmechanismen entschlüsselt – von molekularen Signalwegen im Zellinneren bis hin zu äusseren Einflüssen aus Blutgefässen, der Gehirnflüssigkeit und sogar weit entfernten neuronalen Kreisläufen. Bemerkenswert ist, dass unterschiedliche Stammzellpools je nach Situation selektiv aktiviert werden können, etwa während der Schwangerschaft, bei Hunger oder Sättigung oder als Reaktion auf Gewebsschäden. Jeder Pool erzeugt ein spezifisches Set an Neuronen oder Gliazellen und ermöglicht so eine kontextspezifische Anpassung des Gehirns. Die Entdeckungen von Doetsch haben grundlegend das Verständnis über die Plastizität des adulten Gehirns verändert und eröffnen neue Perspektiven für die Biologie und Medizin, einschliesslich Gehirnreparatur und Regeneration.
Fiona Doetsch
iona Doetsch erwarb ihren Bachelor an der McGill University in Montreal, Kanada, und promovierte an der Rockefeller University in New York, USA. Sie war Junior Fellow der Society of Fellows an der Harvard University und Fellow am Radcliffe Institute for Advanced Studies, bevor sie 2003 als Professorin an die Columbia University wechselte. 2014 zog sie in die Schweiz und wurde Professorin für Molekulare Stammzellbiologie am Biozentrum der Universität Basel.
Die Louis-Jeantet-Preise für Medizin
Die Louis-Jeantet-Stiftung zeichnet jährlich zwei führende Forschende in Europa aus: den Louis-Jeantet-Preis für Medizin für herausragende biomedizinische Forschung sowie den Collen-Jeantet-Preis für Translationale Medizin für wissenschaftliche Durchbrüche mit klinischem Bezug, der in diesem Jahr an Yasmine Belkaid am Institut Pasteur verliehen wird. Jeder Preis umfasst 500’000 Schweizer Franken zur Weiterführung der Forschungsarbeiten der Preisträgerinnen und Preisträger.
Seit ihrer Einführung im Jahr 1986 wurden die Preise an mehr als 100 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, darunter mehrere spätere Nobelpreisträger. Die in Genf ansässige Stiftung fördert die biomedizinische Forschung in Europa. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 22. April 2026, in Genf statt.
Medienanfragen
Fiona Doetsch, fiona.doetschunibasch
Louis-Jeantet Foundation
Gisou van der Goot, Secretary of the Scientific Committee of the Louis-Jeantet Foundation
Tel: + 41 (0)21 693 14 82
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Kontakt: Biozentrum Communications, Livio Stöckli