Navigation mit Access Keys

08. April 2026

Nachruf für Prof. Andreas Engel (1943 – 2026)

Das Biozentrum der Universität Basel trauert um Prof. em. Andreas Engel, einen Pionier der Strukturbiologie und Mitbegründer des Maurice E. Müller Instituts für Strukturbiologie am Biozentrum.

Porträtbild von Prof. em. Andreas Engel.

Am 1. April 2026 ist Prof. em. Andreas Engel im Alter von 82 Jahren verstorben. Mit ihm verliert das Biozentrum einen bemerkenswerten Wissenschaftler, engagierten Lehrer und geschätzten Kollegen, der über 25 Jahre lang die Forschung und Lehre am Institut geprägt hat. Seine bahnbrechenden Arbeiten zur Aufklärung der Struktur und Funktion von Membranproteinen haben die moderne Strukturbiologie massgeblich beeinflusst und bleiben ein unverzichtbarer Beitrag zur Wissenschaft.

Andreas Engel, geboren in Bern, studierte Mathematik und Physik an der Universität Bern, wo er anschliessend in Laserphysik und Holographie promovierte. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore kam er 1974 ans Biozentrum der Universität Basel. Hier baute er in der Gruppe von Prof. Eduard Kellenberger eine Plattform für Raster-Transmissions-Elektronenmikroskopie (STEM) auf, die über drei Jahrzehnte hinweg wegweisende Forschungsbeiträge lieferte. Nach einer Anstellung in der Industrie wurde Andreas Engel am Biozentrum zum Professor für Strukturbiologie berufen und begründete gemeinsam mit Prof. Ueli Aebi das Maurice E. Müller Institut für Hochauflösende Mikroskopie (MIH). 

Der Schwerpunkt von Andreas Engels Forschung lag auf der Strukturaufklärung von Membranproteinen mithilfe modernster Technologien wie der Elektronenkristallographie, Rasterkraftmikroskopie und Raster-Transmissions-Elektronenmikroskopie. Er leistete einen entscheidenden Beitrag zur 3D-Strukturaufklärung des bakteriellen Porins OmpF sowie zur Entwicklung der 2D-Kristallisationstechnik für Membranproteine. Seine Arbeiten zur atomaren Struktur des Membranproteins Aquaporin-1, gemeinsam mit Peter Agre und Yoshinori Fujiyoshi, waren ein Meilenstein in der Strukturbiologie. Sie trugen dazu bei, dass Peter Agre im Jahr 2003 den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung und Aufklärung der Struktur von Wasserkanälen erhielt. Zwischen 2000 und 2003 zählte Andreas Engel zu den am häufigsten zitierten Strukturbiologen Europas. In seiner Forscherlaufbahn hat er über 400 wissenschaftlich Publikationen veröffentlicht.

Über seine zahlreichen wissenschaftlichen Leistungen hinaus verfügte Andreas über die seltene Fähigkeit, neue Methoden zu entwickeln und anzuwenden, um grundlegende biologische Fragestellungen zu bearbeiten. Seine Arbeit war stets von Neugier und einem tiefen Interesse daran geprägt, biologische Systeme in ihrem Kern zu verstehen.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Andreas Engel ein engagierter Lehrer und Mentor. Er war als Vizedirektor des Maurice E. Müller Institut für Hochauflösende Mikroskopie (MIH) und als Obmann des Biozentrums eine prägende Figur. Seine internationale Vernetzung zeigte sich in seiner Rolle als Koordinator des Europäischen Exzellenz-Clusters «Three-dimensional Electron Microscopy» und als Vizepräsident des SystemsX-Steuerungskomitees. Andreas Engel entwickelte zudem den ersten Studiengang in Nanowissenschaften, der viele junge Talente an die Universität Basel zog.

Nach seiner Emeritierung im Jahr 2010 folgte Andreas Engel einem Ruf an die Case Western Reserve University, um dort das Cleveland Center for Membrane and Structural Biology mitaufzubauen. Anschliessend ging er ans Kavli Institute for Nanoscience in Delft, wo er die Kryo-Elektronenmikroskopie massgeblich vorantrieb.

Andreas Engel war ein aussergewöhnlich engagierter Förderer des wissenschaftlichen Nachwuchses. Seine Begeisterung für die Wissenschaft, seine positive Grundhaltung sowie seine Freundlichkeit und Bescheidenheit hinterliessen bei allen, die das Privileg hatten, mit ihm zu arbeiten, einen bleibenden Eindruck. Selbst in seinen letzten Tagen sorgte er sich um seine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, erhielt zahlreiche Besuche von früheren Studierenden und fand in jedem Tag kleine Momente der Freude.

Das Biozentrum verliert mit Andreas Engel nicht nur einen herausragenden Wissenschaftler, sondern auch einen liebenswürdigen Menschen, der durch seine Leidenschaft für die Forschung und seine Hilfsbereitschaft viele inspiriert hat. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Angehörigen.

Kontakt: Kommunikation, Katrin Bühler