Lorenzo Verona – Physikstudent an der Yale University

Woher kommst du und was studierst du?
Ursprünglich komme ich aus Mailand in Italien. Im Moment studiere ich Physik an der Yale University in den USA. Gleichzeitig bereite ich mich auf ein späteres Medizinstudium vor. Damit möchte ich nach meinem Bachelor beginnen.
In welcher Forschungsgruppe arbeitest du?
Ich mache mein Praktikum im Labor von Fiona Doetsch. Ihre Gruppe erforscht Stammzellen in einer bestimmten Region des Gehirns, der sogenannten subventrikulären Zone, kurz SVZ. Ausserdem beschäftigt sie sich mit dem Plexus choroideus, einem gefässreichen Gewebe im Ventrikelsystem des Gehirns.
Warum hast du ihre Gruppe ausgesucht?
Ich interessiere mich sehr für das Gehirn und das Nervensystem. Besonders spannend finde ich neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, also die Frage, wie sie entstehen und was sie im Gehirn bewirken. Mein Projekt befasst sich zwar nicht direkt mit diesen Krankheiten, aber mit den biologischen Grundlagen. Aber ich glaube, dass genau diese Grundlagen wichtig sind, um solche Erkrankungen besser zu verstehen und irgendwann auch besser behandeln zu können. Und ich fand auch die Forschung zum Plexus choroideus sehr spannend. Damit hatte ich mich vorher kaum auseinandergesetzt. Mich hat es gereizt, in ein für mich völlig neues Gebiet in den Neurowissenschaften einzutauchen.
Worum geht es in deinem Projekt?
Ich arbeite an einem kleineren Projekt, das zum Forschungsgebiet meines Mentors gehört. Ich untersuche winzige Zellfortsätze, sogenannte Zilien. Sie befinden sich auf den Epithelzellen des Plexus choroideus in den Hirnventrikeln. Man nimmt an, dass diese Zilien die Flüssigkeit im Ventrikelsystem des Gehirns wahrnehmen und darauf reagieren. Spannend ist, dass sie sich während der Entwicklung stark verändern: Am Anfang sind sie beweglich, im erwachsenen Gehirn werden sie dann zu sogenannten primären Zilien. Was dort genau ihre Aufgabe ist, weiss man allerdings noch nicht so genau. Und genau darum geht es in meinem Projekt. Dafür kombiniere ich genetische Methoden mit Expansionsmikroskopie. Das ist eine relativ neue Methode, bei der man biologische Proben physisch vergrössert. Dadurch kann man diese winzigen Strukturen viel besser als mit dem normalen Lichtmikroskop erkennen.
Findest du, der Research Summer hat dir etwas gebracht?
Ja, auf jeden Fall. Ich konnte praktische Erfahrungen im Labor sammeln, das finde ich sehr wertvoll. Und ich hatte Zugang zu unglaublich vielen Ressourcen und zu sehr viel Fachwissen. Ich habe mich in ein Gebiet eingearbeitet, mit dem ich vorher kaum vertraut war, und habe wichtige Methoden gelernt, die mir in Zukunft sicher nützlich sein werden. Weil ich von einem Doktoranden betreut wurde, habe ich einen direkten Einblick bekommen, wie akademische Forschung aussieht. Ich habe mitbekommen, wie wissenschaftliche Fragestellungen entstehen, wie Experimente und Methoden entwickelt und getestet und schliesslich immer weiter verbessert werden.
Was meinst du, warum sollte man am Research Summer teilnehmen?
Das Gesamtpaket ist einfach gut. Man sammelt praktische Erfahrung im Labor, lernt aber gleichzeitig auch die Theorie hinter der Arbeit. Und man trifft viele andere Studierende, die ähnliche Interessen haben. Besonders gut haben mir die wöchentlichen Vorträge gefallen. Da haben verschiedene Professorinnen und Professoren des Biozentrums ihre Forschung vorgestellt. So bekommt man auch einen Einblick in viele andere Forschungsgebiete.
Was hat dir sonst noch gefallen?
Neben der Arbeit im Labor fand ich die Gemeinschaft sehr schön. Ich habe viele Leute kennengerlernt, die sich, wie ich, für Forschung und Molekularbiologie begeistern. Ich glaube, genau diese Mischung macht den Research Summer so besonders. Er war nicht nur lehrreich, sondern es hat auch wirklich Spass gemacht.