«Es ist cool zu sehen, wie vielfältig Biologie und Physik verknüpft sind»
Berit Kooter ist von Amsterdam nach Basel gezogen, um am Biozentrum «Physics of Life» zu studieren. Sie ist eine der Ersten im noch neuen Masterstudiengang. Hier spricht sie über ihre ersten Schritte in die Forschung, warum sie sich für Basel entschieden hat und was ihr am Studium an der Schnittstelle von Biologie und Physik gefällt.
Warum hast du dich entschieden, deinen Master „Physics of Life“ in Basel zu machen?
Ich habe in Amsterdam Physik studiert. Während des Studiums habe ich mehrere Wahlfächer in Biophysik belegt und festgestellt, dass ich es viel spannender finde, Physik mit biologischen Fragestellungen zu verbinden. Biophysik wird zwar auch in Amsterdam angeboten, aber ich wollte mal einen Tapetenwechsel. Und weil ich die Berge mag – ich liebe wandern und Skifahren – habe ich nach Masterstudiengängen im Alpenraum gesucht. So bin ich auf den Studiengang «Physics of Life» in Basel gestossen. Nachdem ich mehr darüber erfahren und im Interview mit verschiedenen Professoren gesprochen hatte, hatte ich das Gefühl, dass mir das Studium gefallen würde.
Wann hast du angefangen?
Im September, ich bin jetzt im ersten Studienjahr. In diesem Masterstudium belegt man Lehrveranstaltungen und führt drei Forschungsprojekte durch: zwei dreimonatige Projekte neben den Vorlesungen und eine abschliessende Masterarbeit. Ich habe parallel mit den Kursen und dem ersten Projekt begonnen, bin also quasi direkt in die Forschung eingestiegen.
Welche Kurse hast du schon belegt?
Einer der Pflichtkurse ist «Current Topics in Biophysik». Im Grunde genommen ist es ein Journal Club. Dort haben wir wichtige Publikationen aus dem Fachgebiet diskutiert. Das war wirklich toll, weil man so einen guten Überblick über zentrale Fragestellungen in der Biophysik bekommt. Ausserdem habe ich «Bioinformatics Algorithms» belegt, einen Informatikkurs, in dem es darum geht, wie Physik und Biologie kombiniert werden können, um biologische Daten zu analysieren.
Dein erstes Forschungsprojekt hast du mittlerweile abgeschlossen. Worum ging es da?
Das habe ich in der Gruppe von Erik van Nimwegen gemacht. Dort ging es darum, die Genexpression in Bakterien zu modellieren, genauer gesagt, wie sich die Genexpression verändert, wenn sich die Umweltbedingungen ändern. Das Projekt war theoretischer, als ich dachte, aber es hat mir trotzdem Spass gemacht. Und ich war überrascht, wie viel am Ende tatsächlich herausgekommen ist. Dass meine Ergebnisse jetzt sogar weiterverwendet werden, ist ein schönes Gefühl.
Wie war es denn, in einer Forschungsgruppe zu arbeiten?
Das war eine tolle Erfahrung, alle waren offen und hilfsbereit. Es ist einfach etwas anderes, selbst zu forschen, als in Vorlesungen davon zu hören. Wenn man hier Biophysik studiert, liegt es auch nahe, seine Projekte am Biozentrum zu machen. Es gibt so viele spannende Gruppen, die zu ganz unterschiedlichen Themen forschen.
Was gefällt dir an dem Studium?
Dass man früh in die Forschung eingebunden wird. Dadurch merkt man recht schnell, was einen interessiert. Und weil der Studiengang recht klein ist, hat man direkten Kontakt zu den Professorinnen und Professoren sowie zu den Forschenden. Das macht es viel einfacher, mit ihnen über ihre Arbeit oder mögliche Projekte zu sprechen. In den Kursen sitzen auch Studierende aus anderen Fachrichtungen oder auch Doktoranden, man lernt also trotzdem viele Leute kennen.
Fühlst du dich gut betreut?
Ja, auf jeden Fall. Knut Drescher, der Studiengangsleiter, ist immer für einen da, wenn man Fragen zum Studium hat, wie zum Beispiel, welche Kurse man wählen sollte oder welche Forschungsgruppe gut passen könnte. Und dass ich ein Stipendium bekommen habe, hilft natürlich auch sehr.
Du hast Physik im Bachelor studiert. Wie gefällt dir der interdisziplinäre Ansatz des «Physics of Life» Studiengangs?
Richtig gut. Physik kann ja manchmal ziemlich abstrakt sein. Was ich an der Biophysik mag, ist, dass man – so sehe ich das zumindest – besser versteht, warum das, was man macht, überhaupt relevant ist. Viele Themen haben einen Bezug zur biomedizinischen Forschung oder zu praktischen Anwendungen.
Wie gefällt es dir in Basel und der Schweiz?
Der Umzug nach Basel war für mich aufregend und auch ein bisschen beängstigend, denn für mich ist es das erste Mal, weit weg von meiner Familie in den Niederlanden zu leben. Aber mittlerweile gefällt es mir in Basel sehr gut. Im Vergleich zu Amsterdam ist es hier eher gemütlich und nicht so überlaufen. Trotzdem bietet Basel alles, was man von einer Stadt erwartet. Also, wenn man etwas mehr Trubel will, findet man den auch. Was ich wirklich schätze, ist die Nähe zur Natur. Ich gehe oft im Wald joggen und mache am Wochenende Ausflüge in die Alpen oder den Schwarzwald.
Weisst du schon, was du nach deinem Masterstudium machen möchtest?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch promovieren möchte. Ich weiss allerdings noch nicht, ob ich in Basel bleiben oder woanders hingehen werde. Die verschiedenen Forschungsprojekte werden mir sicherlich helfen, herauszufinden, in welche Richtung ich später gehen möchte.
